Lexikon der Filmbegriffe

Cyberpunk

Kompositum aus engl. cyber- (Rückbildung aus cybernetics) ‚zur Informationstechnologie gehörend, das Internet und die virtuelle Realität betreffend‘ + punk (seit den 1920er Jahren für die USA belegt:) ‚junger Nichtsnutz, Rowdy oder (Banden-)Krimineller‘, (davon in den 1970er Jahren abgeleitet:) ‚Angehöriger der gleichnamigen subkulturellen Richtung der Rockmusik‘

Der Ausdruck wurde 1980 von dem jungen Autor Bruce Bethke geprägt; 1983 erschien seine Kurzgeschichte dieses Titels in den Amazing Science Fiction Stories (Nr. 57, H. 4). Er verstand darunter eine junge, technisch interessierte Person, die mit Hilfe von Computern in Netzwerke und Organisationen eindringt und ohne moralische Bedenken und mit kriminellen Energien seiner Zerstörungswut freien Lauf lässt. Zu einer realen subkulturellen Bewegung wurde Cyberpunk, nachdem 1984 William Gibsons Roman Neuromancer die Idee des Cyberspace einer größeren Leserschaft nahegebracht und dabei die sogenannte cyberspace fiction begründet hatte.
Als letztlich der Science Fiction zuzuordnendes Filmgenre zeigen Cyberpunk-Filme so gesetz- wie kompromisslose Subkulturen, die in einer von anonymen Großkonzernen per Computer gesteuerten brutalen Überwachungswelt durch Wahrung eigener Verfügungsmacht Nischen individueller Freiheit und Glück zu schaffen suchen, sich dabei aber häufig als Figuren in einer undurchschaubaren Spielstruktur nach und nach entdecken. Dabei ergeben ältere Vorstellungen über negative Utopien und Endzeitvisionen (wie z.B. A Clockwork Orange, Großbritannien 1971, Stanley Kubrick; Zardoz, Großbritannien 1975, John Boorman; Quintet, USA 1979, Robert Altman) zusammen mit den neueren Themen und ethischen Problemen der rasant sich entwickelnden künstlichen Intelligenz, Medizin, Genetik und Robotik (Cyborgs) ein interessantes Experimentierfeld für filmische Bearbeitungen. Als prototypischer Vertreter der bisher weit über 50 als Cyberpunk verbuchbaren Filme wird häufig Blade Runner (USA 1982, Ridley Scott) genannt.
In Deutschland wird Cyberpunk meistens in Verbindung mit Sozialität simulierenden Formen von Computerspielen und Online-Rollenspielen (MOOs und MUDs) verwendet. Es gibt Mischformen wie das ‚interaktive‘ Videospiel Hell: A Cyberpunk Thriller (1995), in dem Rollen durch die Schauspieler Dennis Hopper und Grace Jones verkörpert werden.

Literatur: Cavallaro, Dani: Cyberpunk and cyberculture: science fiction and the work of William Gibson. London/New Brunswick, NJ: Athlone Press / Somerset, NJ: Transaction Publishers 2000. – Elmer-Dewitt, Philip: Cyberpunk. In: Vitanza, Victor J. (ed.): CyberReader. 2nd ed. Boston: Allyn and Bacon 1999, S. 356-363. - Leary, Timothy: The cyberpunk: the individual as reality pilot. In: The cybercultures reader. Ed. by David Bell and Barbara M. Kennedy. London/New York: Routledge 2000, S. 529-539 [u.ö.].

Referenzen:

Cyberspace


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: LK


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