Lexikon der Filmbegriffe

Semiopragmatik

Der semiopragmatische Ansatz wurde von Roger Odin begründet und ausgearbeitet. Im Anschluss an die klassische Filmsemiotik stellt sich die Semiopragmatik die Aufgabe zu verstehen, wie Filme verstanden werde. Anders als die Semiotik geht die Semiopragmatik davon aus, dass die Bedeutung vom Filmen nicht allein von ihrer Semantik und Syntax abhängt, sondern sich aus der Rezeptionspraxis ergibt, die ihrerseits durch den institutionellen Kontext geprägt wird. So kann derselbe Film im einen Rahmen als Fiktion, im anderen als Dokument (z.B. über die Gesellschaft oder über die Persönlichkeit des Regisseurs) betrachtet werden. Odin arbeitet verschiedene Lektüremodi aus, die sich durch die spezifische Kombination von Operationen beschreiben lassen. So ist etwa der fiktionalisierende Lektüremodus als Kombination von (1) Diegetisierung (Entwurf eines als bewohnbar imaginierten Raums), (2) Narrativierung (Sequenzierung und Synthesierung von Handlungseinheiten zu einer Geschichte), (3) Mise en phase (Mitschwingen im Rhythmus der Erzählung) und (4) Fiktivisierung der Enunziationsinstanz (Konstruktion eines nicht-realen Ursprungs des Films) bestimmt.

Literatur: Kessler, Frank: Historische Pragmatik. In: Montage/AV 11,2, 2002, S. 104-112. – Odin, Roger (1983) Pour une sémio-pragmatique du cinéma. In: Iris 1,1, 1983, S. 76-82. – Odin, Roger: Sémio-pragmatique du cinéma et de l’audio-visuel. Modes et institutions. In: Towards a Pragmatics of the Audiovisual: Theory and History. 1. Hrsg. v. Jürgen E. Müller. Münster: Nodus Publikationen, S. 33–46. – Odin, Roger: De la fiction. Paris: DeBoeck 2000.

Referenzen:

Déphasage


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HJW


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