Lexikon der Filmbegriffe

Realitätseindruck

Der Realitätseindruck bezeichnet die spontane Wirkung des Films, bei dem Zuschauer einen Eindruck der Lebendigkeit, Wirklichkeit und Präsenz hervorzurufen. Nach Albert Michotte van den Berck, auf den der Begriff zurückgeht, lassen sich drei wesentliche Eigenschaften des Realitätseindrucks festhalten: (1) Er ist unabhängig vom Wissen der Zuschauer, dass es sich tatsächlich nur um Licht und Schatten auf der Leinwand handelt; er ist präreflexiv und nicht-epistemisch; (2) er ist unabhängig vom semantischen Gehalt der Bilder; es ist unwesentlich, ob realistische oder fantastische Entitäten gezeigt werden und ob der Film als fiktional oder dokumentarisch verstanden wird; (3) er ist konstitutiv partiell; in vielen Eigenschaften weicht das Filmbild wesentlich von den Bedingungen außerfilmischer Wahrnehmung ab. Darin liegt auch begründet, dass es sich beim Realitätseindruck nicht um eine Illusion im starken Sinn handelt.
Der Realitätseindruck wird von der Ausdrucksmaterie des Films (perspektivische, fotorealistische Bewegungsbilder und synchroner Ton), vom Dispositiv der Rezeption und von der Rezeptionsbereitschaft der Zuschauer beeinflusst. Im Experimentalfilm und im Kunstfilm wird er in manchen Fällen gezielt unterwandert. 

Literatur: Michotte van den Berck, Albert: Der Realitätscharakter der filmischen Projektion [frz. 1948]. In: Montage/AV 12,1, 2003, S. 110-125. – Metz, Christian: Zum Realitätseindruck des Kinos [frz. 1965]. In: Ders.: Semiologie des Films. München: Fink 1972, S. 20-34. 


Artikel zuletzt geändert am 23.08.2013


Verfasser: GKI


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