Lexikon der Filmbegriffe

Paratext

von griech. para- = neben, entgegen, über etwas hinaus + text; dt. in etwa: Beitext, Nebentext

Der Begriff Paratext entstammt der strukturalistischen Literaturtheorie und wurde von Gérard Genette geprägt; er bezeichnet eine vielgestaltige Menge von Praktiken und Diskursen, die den Text i.e.S. (Bei Genette: das Buch) begleiten und ihn so in bestimmte Bedeutungszusammenhänge stellen: Der Paratext ist ein Beiwerk, durch das ein Text zum Buch oder Kinofilm wird und als solches vor die Rezipienten und, allgemeiner, vor die Öffentlichkeit tritt. Dieses Beiwerk umfasst in einer Gliederung Genettes auch Bilder (in Form von Illustrationen, graphischer Werbung), Typographica (der sogenannte materielle Paratext) sowie Fakten, die die Rezeption des Textes beeinflussen (der faktische Paratext).

Das Konzept des Paratextuellen gilt auch für andere Text-Medien wie den Film: Filme weisen ebenso wie literarische Texte einen Titel (und ggf. Unter- und Zwischentitel) auf und können durch Texttafeln u.ä., mit einem Prolog, einer Widmung oder einem Motto versehen werden. Zu den filmspezifischen Paratexten gehören etwa der Vor- und Abspann sowie Texteinblendungen, die z.B. Ort und Zeit konkretisieren oder Vor- und Nachgeschichten erzählen. Ebenso wird jeder Film von einer Reihe begleitender Paratexte flankiert: Zu denken ist hier v.a. an die vielgestaltige Werbung des Filmverleihs (Plakate, Aushangfotos, Trailer, Radiospots, electronic press kits usw.), Interviews mit den Filmschaffenden, Berichte von Dreharbeiten, Filmkritiken, von Fans betriebene Magazine (fanzines) und Websites sowie akademische Sekundärliteratur, aber auch an das so genannten Merchandising von der Soundtrack-CD bis zum Spielzeug. Im Zuge der Einführung der DVD für die Filmbesichtigung im Heimbereich haben sich eine ganze Reihe zusätzlicher Paratexte etabliert: Audiokommentare, kommentierende Bild-im-Bild-Formate sowie eigens für die DVD erstellte Produktionstagebücher (Making-ofs) sowie Dokumentationen zu einzelnen Aspekten des jeweiligen Films. Nicht zuletzt wird jeder Film vor dem Hintergrund faktischer Paratexte rezipiert – dazu zählt etwa die Verleihung eines Filmpreises, die Einladung zu Filmfestivals, die Zuordnung zu einem Genre oder die Besetzung einer Rolle mit einem bestimmten Schauspieler, der etwa als Star ein bestimmtes Image mitbringt.

Literatur: Böhnke, Alexander: Paratexte des Films. Über die Grenzen des filmischen Universums, Bielefeld: Transcript 2007. – Genette, Gérard: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001. – Kreimeier, Klaus / Stanizek, Georg (Hrsg.): Paratexte in Literatur, Film und Fernsehen, Berlin: Akademie 2004.

Referenzen:

marketing hook

Peritext / Epitext


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: PAB


Zurück