Lexikon der Filmbegriffe

Hollywood Anti-Nazi League

Die wichtigste Volksfront-Organization der Vereinigten Staaten vor dem 2. Weltkrieg war die Hollywood Anti-Nazi League. Offiziell wurde sie am 23.7.1936 in Los Angeles bei einer Versammlung im Wilshire-Ebell-Theater gegründet, die von Filmleuten, u.a. Fritz Lang, Dorothy Parker, Donald Ogden Stewart und Oscar Hammerstein, in Zusammenarbeit mit den deutschen Anti-Faschisten Prinz Hubertus zu Loewenstein und Otto Katz (alias Rudolf Breda), ein Mitarbeiter Willi Münzenbergs, organisiert worden war. Im April hatten Prinz Hubertus und Dorothy Parker bereits einen „Fundraiser“ im Victor-Hugo-Restaurant ($100 pro Teller) zugunsten der Opfer des nazistischen Terrors veranstaltet, dem die grössten Namen Hollywoods – unter ihnen Irving Thalberg, David O. Selznick, Sam Goldwyn, Carl Laemmle, Walter Wanger und Jack und Harry Warner – beiwohnten.  Im Herbst 1936 kam es dann zu einer von der Liga organisierten Masssen-Demonstration gegen Hitler, bei der sich 10.000 Menschen im L.A.-Shrine-Auditorium versammelten, um Reden von Eddie Cantor, Gale Sondergaard u.a. zu hören. Auf dem Höhepunkt ihrer Wirkung hatte die Liga mehr als 5.000 zahlende Mitglieder (darunter viele aus der Filmwirtschaft), sowohl Kommunisten (wie Ring Lardner) wie auch Liberale (wie Julius und Philip Epstein) und Konservative (wie etwa Herman Mankiewicz). Fast wöchentlich gab es Kundgebungen, Versammlungen, Vorträge, mittels derer die Situation im Dritten Reich erörtet und diskutiert wurde. Des Weiteren wurden die Konsulate von Deutschland und Japan boykottiert, Gegendemonstrationen zur American Nazi Party veranstaltet und Briefkampagnen an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt organisiert. Die Aktivisten der Laegue veröffentlichten einen zweimal monatlich erscheinenden Newsletter. Als Leni Riefenstahl und Vittorio Mussolini die Filmhauptstadt im Jahre 1938 besuchten, wurden sie von Anti-Nazi-League-Demonstranten begrüßt. Doch es gab auch Gegner de Liga wie Joseph Breen, den katholischen Leiter der Production Code Administration, der der Liga vorwarf, „die Leinwand für kommunistische Propaganda zu vereinnahmen.“ Im Jahre 1939, nachdem der Hitler-Stalin-Vertrag zu einem starken Einbruch in der Mitgliederschaft geführt hatte, wurde die Liga als Hollywood League for Democratic Action neu formiert. Ein Jahr später wurde das House Unamerican Activities Committee (HUAC) ins Leben gerufen, das daran ging, die Tätigkeit der Liga zu untersuchen – doch wurde sie nach Amerikas Eintritt in den Krieg aufgelöst. Als das HUAC im Jahre 1947 seine Arbeit wieder aufnahm, wurden viele ehemalige Mitglieder der Liga als „premature Anti-Fascists“ auf die schwarzen Listen Hollywoods gesetzt.

Literatur:  Ceplair, Larry / Englund, Steven: The Inquisition in Hollywood. Politics in the Film Community, 1930-1960. Berkeley, CA: University of California Press 1983.


Artikel zuletzt geändert am 17.06.2012


Verfasser: JCH


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