Lexikon der Filmbegriffe

Kangaroo-Western

Australien weist in vieler Hinsicht eine ähnliche Kolonialgeschichte auf wie Nordamerika. Die Besiedelung einer neuen Welt durch Europäer in Konfrontation mit Aborigines lässt die Rede von einer Siedlergesellschaft und einer Frontier, der Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation, zu. Hinzu kam, dass Rinderzucht und der Gebrauch von Pferden eine eigene Form von Cowboy-Kultur hervorbrachte. Diese Bezüge zwischen der eigenen Vergangenheit und der des Wilden Westens wurde bereits früh im australischen Film aufgegriffen. Zum einen gibt es den Bushranger-Film, der von historischen oder erfundenen Outlaws handelt, zum anderen Filme, die sich stärker an der Cowboy-Kultur orientieren. Charles Chauvel, einer der bekanntesten australischen Filmregisseure, inszenierte mit Greenhide 1926 einen der ersten Filme, der sich derart deutlich auf den US-Cowboy bezog, dass die Bezeichnung Kangaroo-Western Verwendung fand. In den 1940er und 50er Jahren produzierten die britischen Ealing Studios eine Reihe von Filmen (z.B. The Overlanders, 1946; Bitter Springs, 1950), in denen die australische Historie explizit im Western-Kontext verortet wurde. Die Filme entstanden zum Teil unter australischer Regie und der australische Hauptdarsteller Chip Rafferty genoss einen ähnlichen genregebundenen Star-Status wie John Wayne. Zum Inbegriff des Kangaroo-Western avancierte dann in den 1980er Jahren The Man from Snowy River in der Regie des schottischen Regisseurs George Miller (nicht zu verwechseln mit dem Regisseur der Mad-Max-Filme) aus dem Jahre 1982. Der Film basiert auf dem epischen Gedicht des australischen Nationaldichters Banjo Petersen. 1890 verfasst handelt es von den besonderen Reitfähigkeiten des Titelhelden auf der Jagd nach einem wilden Pferd – der Film inszeniert sie als abschließenden Höhepunkt einer melodramatischen Geschichte, die von einem jungen Mann handelt, der sich auf einer Ranch bewähren muss, um die Tochter des Besitzers der Ranch (gespielt von Kirk Douglas) für sich zu gewinnen. 1998 entstand mit Return to Snowy River ein von Disney koproduziertes Sequel. 

Literatur: Clancy, Jack: The Man from Snowy River: Parents and Orphans. In: Cinema Papers, 42, March 1983, S. 50-52. – Limbrick, Peter: The Australian Western, or a Settler Colonial Cinema par excellence. In: Cinema Journal 46,4, 2007, S. 68-95. – O’Regan, Tom: „The Man from Snowy River and Australian Popular Culture.” In: Moran, Albert / O’Regan, Tom (eds.): An Australian Film Reader. Sydney: Currency Press 1985, S. 242-251; online: http://wwwmcc.murdoch.edu.au/ReadingRoom/film/Snowy.html


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: TKL


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