Lexikon der Filmbegriffe

Indexikalität

Mit Indexikalität wird der besondere Bezug photographischer und filmischer Bilder zur Wirklichkeit bezeichnet. Der Begriff geht auf Charles S. Peirces Zeichentriade zurück. Peirce unterscheidet drei Arten des Bezugs eines Zeichenkörpers zu seinem „dynamischen Objekt“ (Referent): einen ikonischen (Ähnlichkeit des Zeichens zum Objekt), einen indexikalischen (kausaler Zusammenhang zwischen Zeichen und Objekt) und einen symbolischen Bezug (durch Konvention gestifteter Zusammenhang). Filmische Bilder sind sowohl ikonische (insofern sie ihrem Gegenstand visuell ähneln) als auch – da sie durch den Lichtabdruck, der in der Aufnahme genommen wurde, kausal mit dem Objekt verbunden sind  – indexikalische Zeichen. Verkomplizierend kommt die dritte Dimension des Peirce‘schen Zeichenbegriffs hinzu: der Interpretant. Erst mit diesem wird das Zeichen vervollständigt; mit ihm entscheidet sich, auf welches dynamische Objekt damit Bezug genommen wird. In Spielfilmen verweisen die Bilder einerseits auf einen realen Referenten (nämlich die profilmischen Entitäten, die vor der Kamera standen wie z.B. die Schauspieler), andererseits auf einen fiktionalen Referenten (Entitäten in der fiktionalen Welt wie z.B. die Figur des Robin Hood). Der Interpretant, der erst im jeweils aktuellen Zeichenprozess konstituiert wird, entscheidet, welcher Bezug aktualisiert wird. Da in der fiktionalisierenden Lektüre der reale Referent nicht (oder nur im Ausnahmefall) aktualisiert wird, bleibt die Indexikalität in diesem Fall latent.

Literatur: Peirce, Charles S.: Semiotische Schriften Bd. I-III. Hg. v. Christian J.W. Kloesel & Helmut Pape. Frankfurt: Suhrkamp 2000. – Wollen, Peter: The Semiology of Cinema [1968]. In: Signs and Meaning in the Cinema. Bloomington, IN: Indiana University Press 1972, S. 116-154. 


Artikel zuletzt geändert am 17.06.2012


Verfasser: GKI


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