Lexikon der Filmbegriffe

love interest


auch: romantic interest

Als love interest bezeichnet man in der Filmkritik eine Figur, die ein – erreichbares oder unerreichbares – Objekt der Begierde oder Sehnsucht des Protagonisten ist. Insbesondere wenn die Figur unerreichbar und vor allem eine sexuelle Begegnung nicht möglich ist, erweist sich die intentionale Orientierung oder gar Fixierung der antagonalen Figur auf ihr love interest als Grundelement des dramatischen Konflikts. Darum ist die Erkundung der Begehrens- und Liebesbindungen der Hauptfiguren eine erste Aufgabe der empathischen Durchdringung der diegetischen Realität.

Gerade die Überwindung von Widerständen ist für die Ausgestaltung von sozialen Beziehungen ein Kernsujet – sei es, dass eine Liebesbeziehung dazu führt, dass der Held in einen Konflikt gerät (wie ein Hafenarbeiter in On the Waterfront, USA 1954, Elia Kazan, durch seine Liebe zur Schwester eines ermordeten Kollegen in Konflikt mit den mafiösen Gewerkschaften im Hafen gerät), sei es, dass das love interest zum Anlass für tiefe und fundamentale Lernprozesse wird, ohne dass es zur Vereinigung des Paares kommt (wie in Norma Rae, USA 1979, Martin Ritt, eine Arbeiterin sich stimuliert durch den unerreichbaren Mann zu einer Gewerkschafterin wandelt) sei es, dass die Beziehung am Ende wieder auseinandergeht (wie in Absence of Malice, USA 1981, Sidney Pollack, eine Reporterin und ein Opfer einer Pressekampagne am Ende einander verlassen), sei es, dass es nie zu einer Vereinigung kommt (wie in Taxi Driver, USA 1976, Martin Scorsese, der Protagonist nie in die emotionale Nähe zu der Angebeteten gerät). 



Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: CA


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