Lexikon der Filmbegriffe

marginal man

dt. etwa: „Randseiter“

Der Begriff marginal man geht auf den Soziologen Robert E. Park zurück. Er verstand darunter jenen Typus des Menschen, der gleichzeitig an der kulturellen Tradition zweier unterschiedlicher Nationen oder Völker partizipiert und sich dabei im zeitlichen und weltanschaulichen Übergang von der einen zur anderen Kultur befindet. Heute versteht man ganz allgemein unter marginal man eine Person, die sich durch den Wechsel von einer sozialen Bezugsgruppe zur nächsten an den sozialen Rand gedrängt fühlt und dadurch in eine Identitätskrise gerät: Sie erlebt einen Konflikt durch die Anpassung an neue Normen und die Verpflichtung an verinnerlichte Werte der Herkunftsgruppe. Die Figur entsteht aufgrund räumlicher, sozialer und kultureller Mobilität, findet sich darum auch in allen Formen des Migrationskinos. Der marginal man ist gebunden an die Stadt als Raum, in dem verschiedene Kulturen aufeinander prallen können. Er wird zum Zentrum einer Subjektivität, die sich im gleichzeitigen Zwischen und Kontrast verschiedener Bezugskulturen formieren muss. 

Literatur: Park, Robert E.: Human Migration and the Marginal Man. In: The American Journal of Sociology 33,6, May 1928, S. 881-893. – Stonequist, Everett V.: The Marginal Man. A Study in Personality and Culture Conflict. New York, NY: Scribner/Simon & Schuster 1937.


Artikel zuletzt geändert am 22.06.2012


Verfasser: JvH


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