Lexikon der Filmbegriffe

hood film

auch: hood movie, Gangsta film/movie, gangster movie/thriller; gelegentlich: urban film, ghetto drama

(da)hood
ist seit den 1960er Jahren die zunächst im afroamerikan. Englisch gebräuchliche Kurzform für neighborhood ‚Nachbarschaft‘: die Gegend, in der man lebt; Viertel; vertrautes Territorium einer Jugendbande; auch: Ghetto

Als hood films werden seit John Singletons in South Central Los Angeles angesiedeltem Boyz N The Hood (USA 1991) Spielfilme bezeichnet, in denen Jugendliche oder junge Erwachsene aus ethnischen Minderheiten - überwiegend Afroamerikaner, aber auch Hispanos, Vietnamesen und Weiße – in Problemvierteln amerikanischer Metropolen ihren täglichen Überlebenskampf führen. Dabei werden Riten des sozialen Zusammenhalts in sogenannten Patchwork-Familien und häufig extrem gewalttätige Konflikte in – und vor allem zwischen – den jeweiligen Banden und peer groups, die als Surrogate von Familie dienen, ebenso thematisiert wie die Schwierigkeiten des Erwachsenwerden in einer spannungsgeladenen multiethnischen Megalopolis. Als soziale Aufstiegsdramen zeigen sie individuelle, durch Sex, Drogen und Gewalt beeinträchtigte Versuche, Varianten des American Dream zu realisieren, zur Not auch mit Waffengewalt. Jugendkulturelle Absetzbewegungen wie Rap (insbesondere „Gangsta Rap“) und Hip Hop – samt den Risiken ihrer Kommerzialisierung – sind ein wesentliches Gestaltungsmittel dieser Filme, wie in den Besetzungen einiger Rollen durch bekannte Rap-Interpreten (Ice Cube, Ice-T, 2Pac, DMX und der Weiße Eminem) zum Ausdruck kommt.
Die Aufführung von Boyz N The Hood wurde in den USA von Ausschreitungen begleitet, wie bereits schon 1979 Walter Hills in New York City spielender Film The Warriors – tatsächlich ein Vorläufer des Genres – Gewalt in den Kinosälen provoziert hatte. Das Milieu des Gangsta Rap ist bis heute gewalttätig und hat gar einige Morde zu verzeichnen. Bekanntere hood films sind Do the Right Thing (1989, Spike Lee: Brooklyn); New Jack City (1991, Mario Van Peebles: Harlem/Bronx, mit Ice-T); Straight Out of Brooklyn (1991, Matty Rich: Brooklyn); Juice (1992, Ernest R. Dickerson: Harlem, mit 2Pac); Just Another Girl on the I.R.T. (USA 1992, Leslie Harris: Brooklyn); Menace II Society (1993, Albert Hughes, Allen Hughes: Watts district, L.A.); Fresh (USA/F 1994, Boaz Yakin: New York); Clockers (1995, Spike Lee: Brooklyn); Squeeze (1997, Robert Patton-Spruill: Boston); Belly (1998, Hype Williams; Queens/NY, mit DMX); und letztlich auch 8 Mile (2002, Curtis Hanson: Detroit, mit Eminem).

Literatur: Massood, Paula J.: Which way to the promised land? Spike Lee's Clockers and the legacy of the African American city. In: African American Review 35,2, 2001, S. 263-279. – Dies.: Black city cinema: African American urban experiences in film. Philadelphia: Temple University Press 2003 (Culture and the Moving Image.).


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


Zurück