Lexikon der Filmbegriffe

Raubtierfilm

Eine Sonderform des exotischen Abenteuerfilms deutscher Herkunft war der Raubtierfilm – Filme mit aufsehenerregenden Szenen, in denen Raubtiere mit Figuren (resp. Schauspielern) zusammenkamen. Die Inszenierung knüpft an die Traditionen der Arbeit von Dresseuren mit Raubtieren im Zirkus an. ES wundert nicht, dass eine ganze Reihe von Filmen des Genres von John Hagenbeck produziert wurde, dem Bruder des Hamburger Tierhändlers und Zoodirektors Carl Hagenbeck. Hagenbecks Film Darwin (1920) entwarf bereits die King-Kong-Figur. Das Spektakuläre der Tierdressuren stand ganz im Zentrum der Gratifikationen, die dem Zuschauer geboten wurden (was sich bis in die Titel hinein verfolgen lässt – man denke an Die Rätsel Afrikas. Der Welt größter Sensations‑ u. Raubtierfilm, 1923). Große Prominenz nahm neben dem Schauspieler Carl de Vogt, der in einer ganzen „Raubtierfilm-Reihe“ die Hauptrolle spielte und dabei alle Stunts selbst realisierte, vor allem der deutsche Schauspieler und Regisseur Harry Piel ein, von 1916 an in seinen Filmen mit Großkatzen arbeitete, die er des Öfteren auch als Dompteur betreute. Konsequenterweise spielte einer seiner letzten Filmerfolge (Menschen, Tiere, Sensationen, 1938) im Zirkus.

Die Raubtierfilm-Reihe: Der Herr der Bestien (1921); Die Schreckensnacht in der Menagerie (1921); Unter Räubern und Bestien (1921); Die Tigerin (1922); Allein im Urwald (1922, auch Die Rache der Afrikanerin); Die weisse Wüste (1922); Regie in allen Fällen: Ernst Wendt.

Literatur: Schöning, Jörg: „Kleines Urwaldreich gedeiht.“ Die Dschungelfantasien des Filmproduzenten John Hagenbeck. In: Michael Flitner (Hg.): Der deutsche Tropenwald. Bilder, Mythen, Politik. Hrsg. v. Michael Flitner. Frankfurt/New York: Campus 2000, S. 79-93. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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