Lexikon der Filmbegriffe

Segmentierung (1)

Unter Segmentierung versteht man die Zerlegung von Komplexganzen (wie z.B. Texten) in ihre Elemente (= Segmente), die ihrerseits wieder klassifiziert – also hinsichtlich ihrer Bedeutung oder Funktion geordnet – werden. Das Verfahren ist vor allem in den taxonomischen Verfahren der Sprachwissenschaft erprobt worden, ausgehend von der Annahme, dass die Einheiten der sprachlichen Äußerung aus kleineren, ihrerseits aber systematisch gegliederten Einheiten zusammengesetzt sind. Immer gilt das Prinzip der Übersummativität: Durch die Kombination segmentaler Einheiten entsteht eine höhere Einheit, die Qualitäten hat, die den Segmenten nicht zukommen. Das wichtigste Kriterium der Segmentierung (und zugleich ein Probeverfahren) ist die Feststellung der Austauschbarkeit von Segmenten der gleichen Klasse (oft Substitutions- oder Kommutationsprobe genannt). Segmentationsverfahren im Film haben z.T. versucht, ähnlich wie in der Sprache kleinere bis kleinste Einheiten der filmischen Signifikation aufzufinden; vor allem Umberto Ecos Entwurf einer Filmsemiotik ging darauf hinaus, die Zerlegung bis auf kleinste, nur noch bedeutungsunterscheidende Einheiten voranzutreiben.
Heute werden in der filmischen Textanalyse segmentale Einheiten als teilautonome, sowohl inhaltlich wie funktional definierte Textelemente (wie z.B. Szenen, Sequenzen, Zwischenbilder u.ä.) gebildet, die ihrerseits wieder eigenen Bildungsregeln unterworfen sind. Segmente sind durchwegs markiert (mittels filmischer Mittel, durch Tonbehandlung und Musik, durch ihren inneren inhaltlichen oder formalen Zusammenhang).

Literatur: Bellour, Raymond: To analyze, to segment. In: Quarterly Review of Film Studies 1,3, 1976, S. 331‑353. Repr. In Bellours: The Analysis of Film. Bloomington/Indianapolis: Indiana University Press 2000, S. 193-215. – Henderson, Brian: Segmentation. In:  Film Quarterly 31,1, 1977, S. 57‑65. – Möller, Karl-Dietmar: Filmsprache. Eine kritische Theoriegeschichte. Münster: MAkS Publikationen 1985.
 

Referenzen:

Filmsemiotik

Punktuierung

Segmentierung


Artikel zuletzt geändert am 22.06.2012


Verfasser: HJW


Zurück