Lexikon der Filmbegriffe

Augenblick

Der Augenblick ist physikalisch ein sehr kurzes Zeitintervall. Für den Film spielt es als „erlebte Gegenwart“ eine Rolle, in der das Prinzip der Vor- und Nachzeitigkeit aufgehoben und durch eine Art „gedehnte Gegenwart“ oder sogar einen Zustand außerhalb der Zeit abgelöst zu sein scheint (literarisch im Motiv des „ewigen Augenblicks“ geronnen). Es sind Momente intensiven Erlebens, die aus dem Strom der Geschehnisse herausgehoben (Momente der Liebe, des sexuellen Erlebens, der Lust- und Schmerzerfahrung, des intensiven Tuns, des Sterbens, der Meditation usw.) und die durch filmische Mittel – wie insbesondere den Einsatz von Zeitlupenaufnahmen, durch die Aufhebung der Chronologie der Aufnahmen einer Bildfolge, Folgen von freeze frames, sehr schnell geschnittene assoziativ verkettete Bildfolgen u.ä. – sichtbar markiert werden. Derartige Bildfolgen sind immer als Darstellungen subjektiven Erlebens gekennzeichnet.

Literatur: Schweinitz, Jörg: Stillegung und Entwirklichung von Zeit. Effekte der Stereotypsierung in The Hudsucker Proxy. In: ZeitSprünge. Wie Filme Gescichte(n) erzählen. Hrsg. v. Christine Rüffert [...]. Berlin: Bertz 2004, pp. 87-98. – Hillebrand, Bruno: Ästhetik des Augenblicks. Der Dichter als Überwinder der Zeit ‑ von Goethe bis heute. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999. – Thomsen, Christian W. / Holländer, Christian W. (Hrsg.): Augenblick und Zeitpunkt: Studien zur Zeitstruktur u. Zeitmetaphorik in Kunst und Wissenschaften. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1984.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2012


Verfasser: KB


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