Lexikon der Filmbegriffe

Bildfunk


eigentlich: Bildrundfunk; engl.: facsimile transmission, facsimile broadcasting

Nach einer ganzen Reihe experimenteller Versuche, Bilder per Funk zu übermitteln, nahm am 20.11.1928 die Deutsche Welle in Berlin die Versuchsphase eines Dienstes namens „Bildfunk“ auf (zunächst bis zum 20.12. 1928). An fünf Wochentagen um die Mittagszeit und an zwei Abenden um die Abendzeit wurde ein 10x10cm großes Bild drahtlos übertragen; der Übertragungsvorgang dauerte etwa 10min; dabei wurde ein hoher Pfeifton in den Lautsprechern erzeugt, der von Rundfunkhörern als höchst unangenehm empfunden wurde. Zunächst erfolgte die Auswahl der Bildmotive rein zufällig; später ging man dazu über, die Bilder auf Vortragssendungen des Deutschlandsenders abzustimmen. Der Bildfunk konnte sich nicht durchsetzen; nur wenige Hörer hatten das teure Empfangsgerät gekauft; der Dienst wurde im Mai 1929 wieder eingestellt. Die Funk-Stunde (Berlin) führte den Dienst noch kurze Zeit weiter, bevor auch sie den Betrieb beendete.
Ähnliche Versuche – die aber nirgends aus dem Versuchsstadium herauskamen – gab es auch in anderen Ländern wie z.B. Österreich (1926-30: Bildfunksendungen vom Sender Rosenhügel, Wien); von größerer Bedeutung waren Bildfunk-Sendungen nur in den USA (bis 1941). Manche Versuche zählen eher zu den Kuriosa der Medíengeschichte (wie die „St. Louis Post Dispatch“, die erste amerikanische Bildfunk‑Zeitung, die vom KSD-Sender in Louis, Miss., seit dem 7.12.1938 ausgestrahlt wurde).

Literatur: Hell, Rudolf: Bildfunk. Anleitung zum Selbstbau eines Bildempfängers. Berlin: R. C. Schmidt 1927. – Thun, Rudolf: Fernsehen und Bildfunk. Die allgemeinen Grundlagen. Der gegenwärtige Stand. Stuttgart: Franckh 1934. – Schoenfelder, Helmut: Bildkommunikation. Grundlagen und Technik der analogen und digitalen Übertragung von Fest‑ und Bewegtbildern. Berlin [...]: Springer 1983.



Artikel zuletzt geändert am 20.07.2012


Verfasser: JH


Zurück