Lexikon der Filmbegriffe

Formatradio

Ein schillernder Begriff der neueren Radiogeschichte ist Formatradio – eigentlich besser „Formatierung des Radioprogramms“. In einem ersten Sinne dient die Musik als definiens des Begriffs: Format wird dann in enge Verbindung zum „Musikprofil“ eines Senders gebracht, also jenem Ausschnitt aus dem breiten Spektrum unterhaltender Musik, der ein bestimmtes Programm musikalisch charakterisiert.  In einem zweiten Sinne meint Formatierung die Errichtung eines einheitlichen Layouts eines Senders, in dem alle Programmbestandteile nach Art, Umfang, Darbietungsform und Sendeplatz genau festgelegt sind, so dass ein bestimmter, den gesamten Programmablauf über gleichbleibender Eindruck entsteht. „Musikfarbe“ (= Auswahl einer spezifischen Musikrichtung), Wort-Musikmischung, Anteil und Platzierung von Informationsteilen und Art der Präsentation treten so zueinander. Der Prozess der Formatierung ist auf spezifische Zielgruppen, deren Musikpräferenzen, Hörgewohnheiten, Lebensstile usw. für die Bestimmung des Formats genutzt werden. Dazu werden Typologien von Musikfarben entwickelt, die einer Gliederung des Gesamtpublikums hinsichtlich seiner Geschmackspräferenzen korrespondieren.
Das Konzept der Formatierung stammt aus den USA, in denen die Abstimmung von Radioprogrammen auf die Erwartungen und Konsumgewohnheiten schon seit den 1940ern üblich war.

Literatur: Goldhammer, Klaus: Formatradio in Deutschland. Konzepte, Techniken und Hintergründe der Programmgestaltung von Hörfunkstationen. Berlin: Spiess 1995. – Hickethier, Knut: Junges Hörspiel in den neunziger Jahren – Audioart und Medienkunst versus Formatradio. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, 28,111, 1998, S. 126‑145. – Prüfig, Katrin: Formatradio – ein Erfolgsrezept? Ursprung und Umsetzung am Beispiel Radio FFH. Berlin: Vistas 1993.

Referenzen:

Musikfarben: Typologie

Programmuhr


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2012


Verfasser: JH


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