Lexikon der Filmbegriffe

Guckkastenbühne

die Bezeichnung bezieht sich wohl auf die Jahrmarktsattraktion des Guckkastens

Die Bezeichnung Guckkastenbühne wird (meist mit spöttischem Unterton) steht für einen Typus des Bühnenbildes, das seit dem späten 17. Jahrhundert die bis heute wichtigste Bauform der Theaterbühne darstellt. Sie hat drei Wände, nur die vierte Wand zum Publikum hin ist offen. Seit dem 19. Jahrhundert ist sie in aller Regel durch einen Portalrahmen fest markiert. Die bis dahin auch verbreiteten Formen der Rahmen- oder Kulissenbühne, die die eigentliche Bühne oft von einer Vorbühne im Zuschauerraum trennten, konnten die vierte Wand noch nach oben und zu den Seiten hin mittels einschiebbarer Kulissen und Sofitten verändern. Auch sollte der Bühnenraum durch ein Ansteigen der Bühne sowie durch perspektivische Bühnenprospekte den Eindruck der unbegrenzten Tiefe des Handlungsraums vermitteln – bei der Guckkastenbühne ist dagegen der Hintergrund abschließend, so dass auch der Handlungsraum begrenzt erscheint. Die formalen Vorgaben der Guckkastenbühne (insbesondere das Prinzip der vierten Wand und die räumliche Abgeschlossenheit des Raums der Handlung bzw. der Szene) spielen auch in der Filminszenierung eine gewichtige Rolle, wurden allerdings auch immer wieder thematisiert.

Literatur: Schäfer, Martin Jörg: Passivität und Augenschein. Zur medialen Apparatur der Guckkastenbühne um 1800. In: „Intellektuelle Anschauung“. Figurationen von Evidenz zwischen Kunst und Wissen. Hrsg. v. Sibylle Peters [...]. Bielefeld: Transcript 2006, S. 165‑182. – Tode, Thomas: Wir sprengen die Guckkastenbühne! Erwin Piscator und der Film. In: Bertolt Brecht und Erwin Piscator. Experimentelles Theater im Berlin der Zwanzigerjahre. Hrsg. v. Michael Schwaiger. Wien: Brandstätter 2004, S. 16-34.

Referenzen:

Guckkasten


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2012


Verfasser: JH


Zurück