Lexikon der Filmbegriffe

Naziploitation

Kofferwort aus „Nazi“ bzw. „Nationalsozialismus“ und „Exploitation“

Der Begriff „Naziploitation“ bezeichnet Filme – auch Sadiconazista genannt –, in denen die Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten exploitativ ausgeschlachtet, die Nazis als dämonische Repräsentanten eines absolut Bösen gezeichnet werden, die sich am Leid ihrer Opfer delektieren. Inhaltlich Elemente aus Kriegs-, Sex-, Gefängnis- bzw. Lager- und Women-in-Prison-Film verbindend, gehen die „Sadiconazista“ auf einen kleinen Korpus von Filmen zurück, deren Regisseure in den späten 1960er- und frühen 1970er Jahren eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich anstrebten. Viscontis La Caduta degli Dei (Italien 1969)  ist hier ebenso zu nennen wie Cavanis Il Portiere di Notte (Italien 1974) oder Pasolinis Salò o le 120 Giornate di Sodoma (Italien 1975). Diese Filme führten die Taten der Nazis nicht zuletzt auf psychosexuelle Deformationen zurück, was einen vielversprechenden Ansatz für zahlreiche Exploitation-Regisseure (z.B. Bruno Mattei und Sergio Garrone) bot. Die für Bahnhofskinos gedrehten „Sadiconazista“ erreichten Deutschland aus naheliegenden Gründen meist nicht, erlangten aber vor allem in Italien einige Popularität. Der wahrscheinlich berühmteste Naziploitation-Film stammt indes aus den USA: Es handelt sich dabei um Don Edmonds’ Ilsa, She-Wolf of the SS aus dem Jahre 1974, der es auf zwei Fortsetzungen brachte.

Literatur: Magilow, Daniel H. / Vander Lugt, Kristin T. / Bridges, Elizabeth: Nazisploitation! The Nazi Image in Low-Brow Cinema and Culture. New York: Continuum 2012. – Stiglegger, Marcus: Sadiconazista: Faschismus und Sexualität im Film. St. Augustin: Gardez!-Verlag 1999. – Stiglegger, Marcus: Nazi-Chic und Nazi-Trash: Faschistische Ästhetik in der populären Kultur. Berlin: Bertz + Fischer 2011.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2012


Verfasser: ON


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