Lexikon der Filmbegriffe

Sneak

dt. etwa: Schleicher

Wenn ein musikalisches Motiv oder eine Phrase „schleichend“ in die Erzählung eingeführt wird, spricht man von einem sneak – meist ist dann ein Dialog mit einer leisen, kaum merklichen Musik unterlegt, die man zunächst gar nicht bemerkt oder als eine Einfärbung des Gesprochenen wahrnimmt; erst danach wird die Musik zu voller Laustärke aufgezogen und beherrscht den Ton. Ein berühmtes Beispiel entstammt The Adventures of Robin Hood (USA 1938, Musik: Erich Wolfgang Korngold), in dem zunächst ein leises Lautensolo einen Sprechtext der Will-Scarlett-Figur unmerklich begleitet, bevor das volle Orchester in den Soundtrack einstimmt. Auch die (oft nach wenigen Takten) stillschweigend vollzogene Ergänzung eines (in der diegetischen Realität gespielten) Instruments durch ein unsichtbares nichtdiegetisches Orchester wird sneak genannt.
Eine theoretische Reflexion des sneaking erfolgt meist im Hinblick darauf, dass der Zuschauer den Film nicht als primär realistische Abbildung von Realia konstituiert, sondern als ein Gebilde, das Reales und imaginär-Romantisches gleichermaßen umfasst. Die Präsenz des Orchesters gehört in vielen Gattungen des Illusionskinos zur kommunikativen Realität des Films und dient dazu, das Erzählte zu unterstreichen, es zu voller Anschaulichkeit und Sinnlichkeit zu entfalten, dem Zuschauer Hilfen zu geben, wie das Erzählte emotional und modal einzufärben ist. Darum ist die Praxis des sneaking so wenig wahrnehmungsauffällig. 
 

Referenzen:

sneakalong


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2012


Verfasser: HJW


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