Lexikon der Filmbegriffe

Kinoballade (1)

Balladen sind ursprünglich leicht singbare Erzähllieder, die ein Ereignis, auffallende Taten, manchmal auch auffallende Biographien ihrer Helden schildern, ohne dabei die lyrische Stimmung zu verlieren. Sie werden oft in ironischer Distanz vorgetragen, den Gang der Ereignisse in lakonischer Reihung reportierend, ohne Gewicht auf die psychologische Ausgestaltung der Figuren zu legen. Es kam bereits in der Frühzeit des Films zu mehreren Vorschlägen, nicht mehr von „Kinodramen“, sondern vielmehr von Kinoballaden zu sprechen, weil doch das Dramatische in den Filmen der Zeit deutlich zurückgenommen war und eine Zwischenform zwischen den großen Gattungen des Dramatischen, Epischen und Lyrischen im Kino zu entstehen schien. Heute ist der Begriff nach wie vor in der Filmkritik gebräuchlich, wobei die Lakonie des Vortrags, die zwanghaft erscheinende Folge der Ereignisse und die starke Distanz des Films zu seinen Figuren die wesentlichen Charakteristika zu sein scheinen. Zu den oft genannten Beispielen gehören Große Freiheit Nr. 7 (Deutschland 1944, Helmut Käutner), Stroszek (BRD 1977, Werner Herzog) oder auch La Reine Margot (Frankreich 1994, Patrice Chéreau). 


Artikel zuletzt geändert am 30.08.2012


Verfasser: KB


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