Lexikon der Filmbegriffe

Appropriation Art

dt. etwa: Kunst der Aneignung, Kunst der Inbesitznahme

Wie kaum eine andere Richtung zeitgenössischer Kunst machte sich die appropriation art seit den späten 1970ern die postmodernen Strategien des Zitierens, Exzerpierens, Rahmens und Aufführens vorgefundener Kunst zum Programm. Vor allem in der Photographie fanden sich zahlreiche Versuche einer Re-Inszenierung bildlichen Abbildens, wobei die Inszenierung aber nun nicht mehr im Vor-Bildlichen, sondern im Bildakt selbst veranlagt wurde. Natürlich hat die Re-Inszenierung zahlreiche Vorbilder und Vorläufer (etwa in den living dolls oder in den tableaux vivants), die in Projekten wie Tom Hunters Fotoserie Persons Unknown (1997), in der Personendarstellungen nach Vermeers Vorbild variiert werden, fortgeführt werden. Immer geht es dabei um palimpsestartige Bilder, um Bilder, die Bilder überlagern, so dass sie als mehrschichtige „Meta-Bilder“ aufgefasst werden können. Cindy Shermans vielfach nachgeahmten Untitled Film Stills (1977-80) gelten als Klassiker dieser Bild-Techniken, die auch im Film eine gewichtige Rolle spielen: Immerhin ist die stilistische Anschmiegung von Filmen in die Bildprogramme von Künstlern (wie jüngst in Girl with a Pearl Earring, Großbritannien/Luxemburg 2004, Peter Webber, der eine Vermeer-Geschichte in den Bildwelten des Malers erzählt) oder ganzer Stilrichtungen (wie der Photographie der FSA aus den 1930ern) eine der wichtigsten Berührungslinien des Films mit der Bildenden Kunst. Wenn man in einem weiteren Sinne appropriation art jede Kunst ist, die sich mit vorgefundenem ästhetischem Material beschäftigt, dann gehören der Kompilationsfilm, der Found-Footage-Film und manche Techniken des Collagierens zu ihren spezifisch filmischen Ausprägungen.

Literatur: Dziewior, Yilmaz (Hrsg.): So machen wir es. Techniken und Ästhetik der Aneignung. Von Ei Arakawa bis Andy Warhol. [Katalog.] Köln: König  2011. – Blume Huttenlauch, Anna: Appropriation Art ‑ Kunst an den Grenzen des Urheberrechts. Baden‑Baden: Nomos 2010. – Römer, Stefan: Künstlerische Strategien des Fake. Kritik von Original und Fälschung. Köln: DuMont 2001.


Artikel zuletzt geändert am 30.08.2012


Verfasser: HHM


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