Lexikon der Filmbegriffe

Associazione Nazionale Autori Cinematografici (ANAC)

Die ANAC wurde 1950 als nationaler Verband der Filmautoren 1950 in Rom als Nachfolgeorganisation der 1944 unmittelbar nach dem Ende der Besatzungszeit formierten Associazione Culturale Cinematografica Italiana (ACCI) gegründet. Das Ziel war, in einer Kooperation von Autoren und Regisseuren den Film als ein Mittel kulturellen Ausdrucks in der Öffentlichkeit und vor allem der Politik gegenüber zu vertreten. Vor allem durch die Beteiligung am Filmfestival in Venedig wurde der Verband bekannt. Anlässlich des 1968er Festivals kam es aber zu einem scharfen Konflikt zwischen der Festivalleitung und Vertretern von ANAC (Pier Paolo Pasolini und Gillo Pontecorvo traten als Wortführer auf, als sie – nach dem Muster ähnlicher Konfrontationen auf dem Filmfestival in Cannes – zum Boykott der Viennale aufriefen): Gefordert wurde eine Art Sozialisierung des Festivals und der Filmbranche, staatliche Subventionen mit gleichzeitig gewährter völliger Unabhängigkeit vom Geldgeber. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und Neofaschisten. Luigi Chiarini, der Leiter der Festspiele, trat am Ende zurück, obwohl das Festival mit zwei Tagen Verzögerung doch noch stattgefunden hatte. ANAC zerfiel in zwei Fraktionen – eine, die der kulturpolitischen Programmatik der ANAC verbunden blieb, und eine zweite, die wie eine Gewerkschaft für die Rechte der in der Filmindustrie Beschäftigten eintrat und sich als Associazione Autori Cinematografici Italiani (AACI ) neu formierte. Die ANAC blieb in den 1970ern aktiv und wurde eines der Gründungsmitglieder der Fédération Européenne des Réalisateurs de l'Audiovisuel (FERA), arbeitete zudem eng mit dem Industrieverband Associazione Nazionale Industrie Cinematografiche e Affini (ANICA) zusammen, um mit der Politik bessere Rahmenbedingungen für die italienische Filmindustrie und die dort Arbeitenden zu schaffen. Bis heute organisiert der Verband zudem eine Filmreihe und ein Forum auf dem Venezianischen Festival.

Homepage: http://www.anac‑autori.it/online/.


Artikel zuletzt geändert am 30.08.2012


Verfasser: HHM


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