Lexikon der Filmbegriffe

Klangfilm GmbH

In der am 8.10.1928 gegründeten Klangfilm GmbH führten die Allgemeine Elektrizitäts‑Gesellschaft (AEG) und die Siemens & Halske AG ihre Arbeiten und Erfahrungen in der Tonfilmtechnik zusammen (beide waren mit je 45% an der Firma beteiligt; die restlichen 10% wurden von der Schallplattenfirma Polyphonwerke AG eingebracht). Zu den Schwerpunkten zählten Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Kino‑ und Tonfilmapparaturen (Abspieleinrichtungen, Verstärker, Lautsprecher und Röhren). Es wurden vor allem Kinoverstärker (ca. 30 verschieden Typent) und ca. 90 eigene Röhrentypen (meist Äquivalenztypen gängiger Röhren) produziert.
Durch ein Abkommen mit der Tobis (13.3.1929 – „Tobis-Klangfilm-Interessengemeinschafts-Vertrag“) war Klangfilm von nun an für die Herstellung der Aufnahme‑ und Wiedergabeapparaturen sowie den Vertrieb der Wiedergabeapparaturen zuständig, während Tobis die Filmproduktion, das Lizenzgeschäft und der Vertrieb der Aufnahmeapparaturen zufiel. Am 8.4.1929 kam es zudem zu einem Vertrag mit der Ufa, deren 99 Kinos mit Klangfilm-Apparaturen ausgestattet wurden. Im Verlauf der nächsten Monate wurden die internationalen Verflechtungen weiter ausgebaut, so dass nur ein Jahr später ein ganzes Netz von Firmen in verschiedenen Ländern Europas die Rechte der Tobis‑Klangfilm‑Gruppe wahrnahm, darunter Lignose Hörfilm, British Phototone, French Phototone, Klangfilm Ltd. (Great Britain), British Talking Pictures, Asfi, S.A. Films Sonori in Rom, die Compagnie Française Tobis und die Société des Films Sonores Tobis in Paris‑Âpinay. Im Rahmen der sogenannten „Telefunken‑Transaktion“ übernahm die Siemens & Halske AG 1941 die bisherigen Anteile von Telefunken und AEG; die Klangfilm führte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ihre Produktion und die Arbeiten im eigenen Tonfilmlaboratorium weiter.

Literatur: [Festschrift:] Zehn Jahre Klangfilm (1928-1938). Berlin: Klangfilm 1938. – Fischer, Fritz / Lichte, Hugo: Tonfilm. Aufnahme u. Wiedergabe nach dem Klangfilm‑Verfahren (System Klangfilm‑Tobis). Leipzig: Hirzel 1931. – Schumacher,Olaf / Wulff, Hans J.: Warner, Fox und die Anfänge des Tonfilms. In: Medienwis­senschaft. Ein internatio­nales Hand­buch der Medien­technik, Mediengeschichte, Medienkommuni­kation und Medienästhe­tik. 2. Berlin/New York: de Gruyter 2001, S. 1197-1208.


Artikel zuletzt geändert am 30.08.2012


Verfasser: OLS HJW


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