Lexikon der Filmbegriffe

Munzinger-Archiv

Am 17.3.1913 verschickte der ehemalige Chefredakteur der Badischen Landeszeitung die erste Lieferung seines Archivs für publizistische Arbeit. Seine Idee war, auch kleinen Zeitungen für wenig Kosten die Möglichkeit zu eröffnen, sich durch Abonnierung eines allgemeinen Archivdienstes ein Archiv aufzubauen. Die Idee wurde schnell angenommen, allerdings gab es politische Rückschläge: Der Archivleiter wurde zum Kriegsdienst gezogen, die Nazis beschlagnahmten einen Großteil des Archivs, die Lieferungen werden der Zensur unterworfen. 1945 begann Munzinger sofort mit dem Wiederaufbau des Archivdienstes, und schon in den frühen 1950er Jahren waren 350 Zeitungen auf die Dienstleistungen des Archivs abonniert. Schnell schließen sich Bibliotheken, Verbände, Behörden, Rundfunk und Fernsehen an, und trotz des Rückgangs an Abonnenten infolge des Zeitungssterbens in den 1960er Jahren genießt Munzinger den Ruf der Unentbehrlichkeit. Noch zu Beginn des neuen Jahrtausends (Stand: 2002) hat Munzinger mehr als 2.000 Abonnenten. Die Firma beschäftigt 46 Angestellte und hat ca. 100 freie Mitarbeiter. Der Leiter Ernst Munzinger ist der Enkel des Gründers und fungiert seit 1988 als Chef des Unternehmens.
Herzstück ist das Internationale biographische Archiv, das 12.000 Lebensläufe lebender, 11.500 verstorbener Personen umfasst. Die Zahl der Dossiers wird monatlich um 120 bis 150 erhöht. Daneben existieren einige Spezialarchive, von denen zwei auch für filmwissenschaftliche Fragen von Bedeutung sind: Schon 1927 wurde das Internationale Sportarchiv mit heute 8.000 Biographien ausgegliedert. Mitte der 1980er Jahre entstand, wiederum als Ausgliederung aus dem Grundarchiv, das Pop-Archiv International, das nicht nur Biographica von Musikern, sondern auch manchmal umfangreiche Sachartikel enthält.

Literatur: http://www.munzinger.de.


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: HJW


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