Lexikon der Filmbegriffe

Blickbewegungsmessung

auch engl.: eye tracking; manchmal auch: eyes-on-screen method

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Film eingesetzt, um die Augenbewegungen (Fixationen und Sakkaden) von Versuchspersonen aufzuzeichnen – bei allerdings großer Ungenauigkeit der damit gewinnbaren Daten. Heute wird das Verfahren als psychophysiologische Methode vor allem in der Werbepsychologie eingesetzt, um die Häufigkeit und Zeitdauer der Zuwendung (Aufmerksamkeit) zum Fernsehbildschirm vor allem während der Werbeeinblendungen zu messen. Vor allem geht es darum, festzustellen, ob sich Probanden nicht konkurrierenden Reizquellen zuwenden (oder sogar anderen Tätigkeiten nachgehen); in diversen Forschungen primär zu Kindersendungen ging es darum, Programmfaktoren zu isolieren, die aufmerksamkeitsbindend sind. Spannung, gefühlte Nähe zu den Figuren der Handlung und inhaltliches Interesse erhöhen demzufolge die Aufmerksamkeit (und die Blickzuwendung).
Verwendet werden heute meist Head‑Mounted Eye Tracker, die – anders als frühere Geräte, bei denen der Proband fixiert werden musste – die seine freie Beweglichkeit ermöglichen; die ebenfalls verwendeten Remote Eye Tracker verzichten auf die kopfhörerartigen Apparaturen, der Rechner kann die Augen nach einer Kalibrierung in einem kleinen Bewegungsfeld automatisch verfolgen und die Fixationen berechnen.

Literatur: Block, Andreas: Die Blickregistrierung als psychophysiologische Untersuchungsmethode. Grundlagen, Anwendung und technische Realisierung. Hamburg: Kovac 2002. – Holmqvist, Kenneth [...]: Eye tracking. A comprehensive guide to methods and measures. Oxford: Oxford University Press 2011. - Issing, Ludwig J. / Mickasch, Heidemarie D. / Haack, Johannes (Hrsg.): Blickbewegung und Bildverarbeitung. Kognitionspsychologische Aspekte visueller Informationsverarbeitung. Frankfurt/Bern/New York: Peter Lang 1986. – Smith, Tim: Watching you watch There Will Be Blood. URL: http://www.davidbordwell.net/blog/2011/02/14/watching‑you‑watch‑there‑will‑be‑blood/
 

Referenzen:

Eyes-on-Screen-Methode


Artikel zuletzt geändert am 03.09.2012


Verfasser: JH


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