Lexikon der Filmbegriffe

Déphasage

Der Begriff „Déphasage“ gehört zum terminologischen Instrumentarium der Semiopragmatik Roger Odins und stellt den Gegenpol dar zu „Mise en phase“. Er bezeichnet das Resultat von Verfahren oder Operationen, durch die der Zuschauer eben nicht „im Rhythmus der Ereignisse mitschwingt“ und somit ganz im Erzählfluss aufgeht, sondern Brüche in der Textur des Films erzeugen und  somit die fiktionalisierende Lektüre blockieren. Insbesondere geschieht dies, wenn auf irgendeiner Ebene die Geschlossenheit der Diegese aufgebrochen wird oder gar nicht erst zustande kommen kann. Dies kann eine künstlerische Strategie sein im Sinne der Verfremdung oder Ostranenie, ein gattungsbedingtes Charakteristikum wie in vielen Experimentalfilmen oder beim Familienfilm, aber auch unwillkürlich durch den Zuschauer selbst hervorgerufen werden, indem z.B. persönliche Erinnerungen oder Assoziationen eine Verschiebung in der Lektürehaltung verursachen. Laut Odin führt die Mise en phase vor allem dazu, dass die Enunziation als solche unbemerkt (unmarkiert) bleibt und der Zuschauer ganz in der Diegese aufgeht, während bei der Déphasage der Enunziationprozess in den Vordergrund tritt, wie z.B., wenn bei wachsender Spannung und Beschleunigung der Handlung auf der Ebene der Erzählung der Montagerhythmus zusehends langsamer wird und das Auseinanderfallen von Narration und Enunziation beim Zuschauer zu Irritationen führt.

Literatur: Odin, Roger: De la fiction. Brüssel: De Boeck 2000.


Artikel zuletzt geändert am 23.09.2012


Verfasser: FK


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