Lexikon der Filmbegriffe

Paukerfilm

auch: Lümmelfilm

Zwar hat es immer Filme gegeben, die im Milieu der Schule angesiedelt sind und die Alters- und Interessenkonflikte zwischen Lehrern und Schülern dramatisiert haben (von Skandal um Eva, Deutschland 1930, Georg Wilhelm Pabst, über die Erich-Kästner-Adaption Das fliegende Klassenzimmer, BRD 1954, Kurt Hoffmann [mehrere Remakes] bis zu The Blackboard Jungle, USA 1955, Richard Brooks). Als eigenes bundesdeutsches Kleingenre entstand es 1967/68 mit dem ersten Film der Reihe Die Lümmel von der ersten Bank (Zur Hölle mit den Paukern, Werner Jacobs), dessen Erfolg sechs weitere Folgen bis 1972 fortzusetzen suchten: Schon der Roman von Alexander Wolf [= Herbert Rösler] aus dem Jahre 1963 war ein Publikumserfolg gewesen. Die Filme nahmen die satirischen Impulse der Vorlage zunächst auf, lösten sich dann aber immer mehr in pubertär anmutendem Klamauk auf: Die Schüler, allen voran die Hauptfigur Pepe Nietnagel, lehnen sich durch zahlreiche Streiche und Intrigen gegen die veralteten Unterrichtsmethoden und autoritären Lehrer ebenso wie das repressive System der Schule auf. Im Kontext der Zeit thematisieren die Filme durchaus nicht nur die damals aktuelle Kritik der angestammten Schulpädagogik, sondern nehmen auch einen antiautoritären und hedonistischen Impuls auf, der die Jugendkultur massiv beeinflusste. Für die Filme wurden zudem Elemente des Schlagerfilms aufgenommen (es gab Gesangs-Auftritte von Zeit-Stars wie Peter Alexander und Heintje), und einige Beispiele greifen auf szenaristische Vorstellungen des deutschen Sexfilms zurück. Regie führten Routiniers wie Werner Jacobs, Franz Antel, Harald Reinl und Franz-Josef Gottlieb. Selbst ältere Vorlagen wie Die Feuerzangenbowle (1970, Helmut Käutner, nach dem Roman von Heinrich Spoerl, 1933) wurden im stilistischen Horizont des Paukerfilms neu adaptiert. Die erfolgreiche Reihe (die etwa 20 Filme gewannen ca. 40 Millionen Zuschauer) endete mit nostalgischen Schulerinnerungen (Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler, 1974, Werner Jacobs).

Referenzen:

Lehrer im Film

Pennälerfilm


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: CA


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