Lexikon der Filmbegriffe

romantic drama


im Dt. selten, kaum übersetzbar: „romantisches Drama“

Eher in der Kritik verbreitete Bezeichnung von Dramen, die auf einem „romantischen Konflikt“ aufruhen. Oft sind es ernst und ohne ironische Distanz vorgetragene Geschichten um ein Paar, das sich gegen alle Widerstände vereinigen muss oder das verhindern will, dass es getrennt wird. Sie enden fast immer dunkel und tragisch. Die Widerstände, gegen die sich das protagonale Paar wehren muss, sind soziale Regeln und Verbote, die mit Klassenzugehörigkeit, Krankheit und Behinderung, ökonomischen, kulturellen und nationalen Differenzen, rassischen Unterschiede, sexueller Orientierung usw. zusammenhängen. Die Helden dieser Geschichten erscheinen von Beginn an als Opfer sozialer Kontrolle, Unterdrückung und Ausgrenzung, sie werden sozial isoliert und aus dem Gemeinschaftsleben ausgeschlossen.
Zu den Beispielen gehören Melodramen wie Jungle Fever (USA 1991, Spike Lee) über eine Liebe über Klassengrenzen hinweg, The Piano (Australien/Neuseland/Frankreich 1993, Jane Campion) als Geschichte eines weiblichen Emanzipationsversuchs oder The English Patient (Großbritannmien 1996, Anthony Minghella), eine komplexe Liebesgeschichte über Feindesgrenzen im Krieg hinweg. Einer der radikalsten Filme des Genres ist der fast surrealistisch anmutende Peter Ibbetson (USA 1935, Henry Hathaway) über ein Paar, das einander nur im Traum begegnen kann.
Eine wichtige Konstellation romantischer Dramen ist die Dreiecksbeziehung (als Beispiel: Jules et Jim, Frankreich 1961, François Truffaut). Auch einige Alzheimer-Dramen werden mit dem sentimentalen Impetus des romantischen Dramas vorgetragen (wie etwa Away from Her, Kanada 2006, Sarah Polley); der Tod eines Partners gehört zum motivischen Grundbestand der Erzählweise (wie in Anthony Minghellas Truly, Madly, Deeply, Großbritannien 1990); und auch die erzwungene Heimlichkeit mancher Lieben kann tiefe sentimentale Zuschau-Affekte ansprechen (wie etwa in Un Coueur en Hiver, Frankreich 1992, Claude Sautet, oder The Dancer Upstairs, Spanien/USA 2002, John Malkovich).

Literatur: Bush, Gregory W.: Like „a drop of water in the stream of life“: moving images of mass man from Griffith to Vidor. In: Journal of American Studies 25,2, 1991, S. 213‑234. – Rowe, Kathleen K.: Romanticism, sexuality, and the canon. In: Journal of Film and Video 42,1, 1990, S. 49‑65. – Sanderson, Jim: American romanticism in John Ford's The Grapes of Wrath. Horizontalness, darkness, Christ, and F.D.R. In: Literature/Film Quarterly 17,4, 1989, S. 231‑244.


Referenzen:

tragic mulatta


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KB


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