Lexikon der Filmbegriffe

Teen-Horrorfilm

Das Genre des Teen-Horrorfilms ist ein Subgenre des Horrorfilms und ursprünglich Teil einer Gegenbewegung zum klassischen Hollywoodkino, das jugendliche Protagonisten weitgehend ausklammerte, bis James Dean schließlich den Teenagerfilm weltweit populär machte. Eine der ersten Kollaborationen aus Teenagerfilm und Horrorfilm war Teenage Cave Man (USA 1958), der unter der Regie von Roger Corman entstand. Die Stephen-King-Verfilmung Carrie (USA 1976, Brian De Palma) stellte schließlich Ängste und Nöte (wie z.B. Schönheitsideale, Anpassungsfähigkeit etc.) von fast ausschließlich weiblichen Heranwachsenden ernsthafter ins Zentrum einer Horrorgeschichte und spielt dazu in einem typischen Teen-Ambiente (hier: die Schule). Es handelt sich um einen der ersten Teen-Horrorfilme, der über das Genre hinaus bei der Kritik positiv aufgenommen wurde. U.a. erhielt Hauptdarstellerin Sissy Spacek für diesen Film ihre erste Nominierung für einen Academy Award. Sie spielt die titelgebende Protagonistin, die in der Schule eine Außenseiterin, sexuell unerfahren und unaufgeklärt ist und unter der Diktatur ihrer strengreligiösen Mutter leidet. Symbolisch entladen sich ihr Schmerz und ihre pubertäre Rebellion im Finale des Films, in dem sie mittels telekinetischer Fähigkeiten blutige Rache an ihren Peinigern nimmt. Damit stellt De Palma erstmals ein Ensemble klassischer Motive des Teen-Horrorfilms auf, die dann von John Carpenter in Halloween (1978) zur richtungsweisenden, tief-konservativen Didaktik des Genres stilisiert wurden: Sexuelle Aktivität, Alkohol- und Drogenkonsum der jugendlichen Protagonisten wurden meist mit dem Tode bestraft, wohingegen die Jungfrau, die sich allen Verführungen entsagt, überlebt. Ist es jedoch bei Carrie noch die Jungfrau selbst, die Rache ausübt, handelt es sich bei Filmen wie Halloween oder Friday the 13th (USA 1980, Sean S. Cunningham) um einen übermächtigen Mörder, der bei seiner Jagd auf die Jugendlichen keine Unterschiede macht, an der konservativen moralischen Instanz des Films in aller Regel scheitert und selbst sein Ende findet.
Eine Mischform aus Teen-Horrorfilm und Fantasyfilm ist The Company of the Wolves (Großbritannien 1984, Neil Jordan), eine moderne Variante des Rotkäppchen-Märchens und psychoanalytische Allegorie auf die erwachende Geschlechtsreife und damit verbundenen Ängste eines Mädchens.

Literatur: Dirk, Rüdiger / Sowa, Claudius: Teen Scream – Titten & Terror im neuen amerikanischen Kino. Hamburg/Wien: Europa Verlag 2000. – Driscoll, Catherine: Teen Film. A Critical Introduction. Oxford : Berg Publishers, 2011, bes. 83ff. – Stephens, John: „I‘ll Never Be the Same After That Summer“: From Abjection to Subjective Agency in Teen Films. In: Youth cultures. Texts, images, and identities. Ed. by Kerry Mallan and Sharyn Pearce. Westport, Conn [...]: Praeger 2003, S. 123-138. – Williams, Linda: Film Bodies: Gender, Genre, and Excess. In: Film Quarterly 44,4, Summer 1991, S. 2-13.


Artikel zuletzt geändert am 05.12.2012


Verfasser: DM


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