Lexikon der Filmbegriffe

Querschnittsfilm

Der Begriff Querschnittfilm (später meist: Querschnittsfilm) entstand in den 1920er Jahren in Deutschland, um dokumentarische Filme zu beschreiben, die das tägliche Leben darstellten. Explizit spricht Béla Balázs seinen Film Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins (1926) als „Querschnittsfilm“ an; sein erklärtes Ziel ist es, einen Film ohne Helden zu machen, der stattdessen „einen Querschnitt, eine breitere Front des Lebens“ zeigen sollte. Eines der ersten und das bekannteste Beispiel des Subgenres ist Walter Ruttmanns Berlin, die Sinfonie der Großstadt (1927). Auch Menschen am Sonntag (1929), der aus Spielfilmszenen und Dokumentarbildern besteht, nannte man einen Querschnittfilm. Nach Kracauer sind Querschnittsfilme der reinste Ausdruck, den die Neue Sachlichkeit im Film gewonnen hat. Ins Zentrum rücke die unmittelbare Wirklichkeit, die „Sehnsucht, die Dinge völlig objektiv auf ihre materielle Basis zu beziehen, ohne sie sofort mit übertragenen Bedeutungen zu besetzen“. Doch schon bald wurde der Begriff eingesetzt, um jegliche Art von Montagefilm zu bezeichnen, der aus Ausschnitten anderer Filme zusammenmontiert wurde. So heißt es zu Rund um die Liebe (1929), dies sei der zweite Querschnittfilm der Ufa und „eine Revue der schönsten Liebesszenen in deutschen Filmen der letzten 20 Jahre“ (Filmkurier, Nr. 36, 1929).

Referenzen:

Mosaikfilm


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JCH


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