Lexikon der Filmbegriffe

Family Entertainment Film


selten auch: all age movie (nach dem Muster der All-Age-Literatur); im Engl. wird auch von crossover oder crosswriting gesprochen

Anders als in Europa, in dem „Kinderfilm“ als Film für einen bestimmten, altersbegrenzten Teil des Gesamtpublikums bestimmt wird, suchen die amerikanischen Studios Filme zu produzieren, die ganz unterschiedliche Altersgruppen des Gesamtpublikums ansprechen. Idealerweise nimmt man die mehrgenerationelle Familie (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) als soziale Kerngruppe, die die Filme zu gemeinsamem Vergnügen ansehen. Die Filmtexte des Genres sind mehrfachadressiert, sprechen neben den Kindern und Jugendlichen also auch Erwachsene an und sind darum oft polysem und doppelsinnig. Oft wird mit einem Zweitsinn gearbeitet, der sich durch intertextuelle Bezüge zu Komplexen des kulturellen Wissens, der Kunst-, Literatur- und Filmgeschichte und anderen Texten Erwachsenen erschließt, Kindern dagegen oft verschlossen bleibt; gerade in dieser Aufrüstung des Textes mit einem „Hintersinn“ besteht das Besondere des Erwachsenen-Vergnügens. Auch nostalgische Elemente, die an die Medienbiographie der erwachsenen Zuschauer anknüpfen, spielen als sinnerzeugende Elemente im family entertainment film eine Rolle.
Die Redeweise und die damit verbundene Programmatik der Adressierung von Filmen antwortet auf die sich schnell verändernden Rezeptionsbedingungen von Filmen. Bereits 1992 gründete Warner Bros. die Abteilung Family Entertainment. Natürlich sind family entertainment movies nicht erst in den 1990ern entstanden – die damaligen Erfolge der Pixar Animation Studios knüpften an Disney-Produktionen wie Snow White and the Seven Dwarfs (1937) an, der oft als erster Film der Gattung angesehen wird und den Ruf der Disney-Studios als deren wichtigster Produzent begründete. Heutige Filme der Gattung werden meist mit hohem Produktionsaufweand realisiert und darum massiv beworben und mit Merchandising-Artikeln komplementiert.

Beispiele: The Jungle Book (USA 1967, Wolfgang Reitherman); E.T. (USA 1982, Steven Spielberg); Dennis the Menace (USA 1993, Nick Castle); Free Willy (USA 1993, 1995, 1997); Toy Story (USA 1995, John Lasseter).

Literatur: Kurwinkel, Tobias: Family Entertainment Film. In: Lexikon des Kinder‑ und Jugendfilms im Kino, im Fernsehen und auf Video. 5 (39. Erg.-Lfg.): Genre, Themen und Aspekte. Hrsg. von Horst Schäfer. Meitingen: Corian‑Verlag 2012, S. 1‑5. – Blümer, Agnes: Das Konzept Crossover - eine Differenzierung gegenüber Mehrfachadressiertheit und Doppelsinnigkeit. In: Jahrbuch der Kinder‑ und Jugendliteraturforschung 15, 2009, S. 105‑114. – Ewers, Hans‑Heino: Literatur für Kinder und Jugendliche. Paderborn: Fink 2008. – Holmlund, Christine: Tots to Tanks: Walt Disney Presents Feminism for the Family. In: Social Text, 2, Summer 1979, S. 122‑132. – Beckett, Sandra L.: Crossover Fiction. Global and Historical Perspectives. New York: Routledge 2009.


Referenzen:

Kinderfilm


Artikel zuletzt geändert am 29.03.2014


Verfasser: TKU


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