Lexikon der Filmbegriffe

Rakkurs

von frz.: raccourci = Verknüpfung [hier: von Subjekt und Objekt oder allgemein von elementareren Einheiten]; auch: Vereinfachung; hier verstanden als Einheit des Blickpunktes (etwa des Publikums im Theater)

Von Béla Balàzs eher als missverständliche Gelegenheitsbildung verwendet, meint Rakkurs den Wechsel der Kamerapositionen und -distanzen resp. der Bildperspektiven sowohl in einem technischen wie in einem übertragenen ideologischen Sinne. Anders als in der Malerei, in der der Maler sich jenen Blickpunkt suche, aus dem er den Gegenstand am besten charakteristisch oder ausdrucksvoll darstellen könne und wolle, sei es im Film der ständige Wechsel jedes Details, der den Betrachter nicht mehr das Objekt allein, sondern durch die Eigenart des Rakkurses auch seinen eigenen Blickpunkt wahrnehmbar mache. Die Integration von Einstellungen in größere Sequenzen wie Blickmontagen ermöglichten nicht nur eine Subjektivierung und eine vom Bild selbst nahegelegte Empathisierung der Figuren der Handlung, sondern führe auch zu einem Richtungsgefühl und zu einem nachvollziehbaren Raumerlebnis der Figuren. Die Wahl der Kamerapositionen sei darum immer analytisch.

Literatur: Balázs, Béla: Zur Kunstphilosophie des Films. In: Texte zur Theorie des Films. Hrsg. von Franz-Josef Albersmeier. 3. Aufl. Stuttgart: Reclam 1998, S. 201-223.


Artikel zuletzt geändert am 02.10.2012


Verfasser: HJW


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