Lexikon der Filmbegriffe

race movie

auch: race film

(1) Als race movies bezeichnet man eine Gattung von Filmen, die in den USA etwa seit den frühen 1910er Jahren bis in die frühen 1950er für ein ausschließlich schwarzes Publikum hergestellt wurden; auch als Schauspieler traten Schwarze auf. Mindestens 500 Filme wurden von (meist weißen) unabhängigen Produzenten außerhalb des Studiosystems produziert, von denen die meisten aber als verloren gelten. Es gab zudem ein eigenes Netz „schwarzer Kinos“ in schwarzen Wohngebieten, die mit eigenen Programmen ein rassisch selektiertes Publikum ansprachen; vor allem in den Nordstaaten boten auch andere Kinos spezielle Vorstellungen für das schwarze Publikum an. Insgesamt wurden die Filme in ca. 1.100 Kinos gezeigt. The Ebony Film Company (Chicago, Ill.) War eine der größten Produktionsgesellschaften, die ausschließlich für den Markt der race movies produzierten; auch sie war aber von Weißen kontrolliert; nur wenige Studios und Produktionsfirmen waren in schwarzer Hand (darunter Lincoln Motion Picture Company, 1916-1921, und Micheaux Film Corporation, 1918-1940). Erst nach dem Paramount-Urteil (1948) löste sich die rassistisch segregierte Gliederung der US-amerikanischen Produktionsbereiche langsam auf. Die Filme der Gattung propagierten meist Werte einer urbanen weißen Mittelschicht; sie zeigten vor allem, dass die Verweigerung der amerikanischen Wertewelten zu tragischen Konsequenzen führt (The Scar of Shame, 1927, Frank Peregini, ist ein bekanntes Beispiel für diese Moral). Die Darstellung von Armut, Ghettos, alltäglicher Diskriminierung wurde systematisch vermieden.

Literatur: Bowser, Pearl / Gaines, Jane / Musser, Charles (eds.): Oscar Micheaux and his circle.  African‑American filmmaking and race cinema of the silent era. Bloomington: Indiana University Press 2001. – Diawara, Manthia: Black American Cinema. New York/London: Routledge 1993. – Gaines, Jane: Fire and desire. Mixed‑race movies in the silent era. Chicago: University of Chicago Press 2001. – Leab, Daniel: From Sambo to Superspade: The Black Experience in Motion Pictures. Boston: Houghton Mifflin 1975.

(2) Gelegentlich spricht man von race movies, wenn man Filme, die für ein ethnisch klar definiertes Publikum gedreht wurden, bezeichnen will. Ein Beispiel ist – neben den zahlreichen Filmen für schwarzes Publikum – der Film Silk Bouquet (USA 1926, Harry Revier), der für ein chinesisch-amerikanisches Publikum konzipiert war.


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2012


Verfasser: HHM


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