Lexikon der Filmbegriffe

Figurenrede

(1) Es gibt in der traditionellen Theorie epischen Erzählens fünf Möglichkeiten, die ein Erzähler besitzt, um auszudrücken, was die Personen im Werk denken und sagen (und die dabei der Erzählerrede gegenübergestellt sind): direkte (= unmittelbare Wiedergabe dessen, was eine Figur spricht) und indirekte Rede (= Wiedergabe der Rede einer Figur durch den Erzähler), den Rede‑ oder Gedankenbericht (= zusammenfassender Report über das Gesagte), die erlebte Rede (= Beschreibung der Rede einer Figur durch den Erzähler einschließlich von Gedanken des Sprechenden) und den inneren Monolog/Bewusstseinsstrom (= Wiedergabe der Rede und der gleichzeitigen Gedanken und Empfindungen der Figur). Die meisten dieser Formen sind der literarischen Erzählung vorbehalten, spielen im Film keine große Rolle; wird dennoch (mittels Voice-Over u.ä.) auf die Vielfalt der Formen zurückgegriffen, entsteht eine Hybridform literarischen Erzählens.

(2) Im Theater (und ähnlich im Film) erfolgt die Rede der Figuren, die hinsichtlich dialektaler und soziolektaler Färbung von vornherein festgelegt sein müssen, fast immer direkt aus deren subjektiver Perspektive; entsprechend ist dramaturgisch immer zu berücksichtigen, welches Vorwissen die einzelne Figur besitzt, möglicherweise auch, welche sachlichen und sozialen Ziele sie verfolgt. Natürlich finden sich aber auch Formen des indirekten Rede-Reports (von Botenbericht bis Zeugenaussage). Gelegentlich kann die Subjektivität des unvermittelten Sprechens in Redestücken, die der sachlichen Erläuterung oder der Moral von der Geschichte gewidmet sind auch modal aufgehoben werden – dann wird das diegetisch abgeschlossene Feld situativen Sprechens (meist vorübergehend) aufgebrochen, die Rede gerät auf ein anderes textsemantisches Niveau.

Literatur: Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse. 7., aktual. u. erw. Aufl. Stuttgart/Weimar: Metzler  2009, S. 62-84 (Sammlung Metzler. 188.). – Kreye, Horst: Intentionen in der Figurenrede literarischer Texte. In: Dialoganalyse II. Referate der 2. Arbeitstagung Bochum 1988. 2. Hrsg. von Edda Weigand und Franz Hundsnurscher. Tübingen: Niemeyer 1989, S. 147-161.

Referenzen:

Beiseitesprechen

innerer Monolog

inneres Sprechen

Voice-Over


Artikel zuletzt geändert am 05.10.2012


Verfasser: CA


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