Lexikon der Filmbegriffe

Medizindrama


engl.: medical drama

Filme, die im Mileu medizinischer Institutionen handeln – in Arztpraxen, Krankenhäusern, Sanatorien u.ä. Immer ist allein durch die Institutionalität des Handlungsortes bereits ein soziales Beziehungsgefüge vorgegeben, das in der therapeutischen und sozialen Beziehung von Patienten, Angehörigen und medizinischem Personal eine Fülle von Konflikten und Intrigen enthält. Vor allem Serien haben sich den Handlungsort „Klinik“ (und manchmal auch „Praxis“) als Rahmenvorgabe einer unabsehbar großen Menge möglicher Geschichten angenommen (wie zuerst wohl in der Filmserie um den Filmarzt Dr. James Kildare, USA 1937-42, diverse Serien als Sequel).

Es geht dabei nicht nur um den Umgang mit Krankheit und Gesundheit (besonders dramatisch dann, wenn ein Arzt zum Kranken wird wie in The Doctor, USA 1991, Randa Haines) und die Auseinandersetzung zwischen Schul- und Alternativmedizin (wie schon in Le Guerisseur, Frankreich 1953, Yves Ciampi), sondern vor allem um emotionale und moralische Probleme, die im Gewand der Arzt-Patient-Beziehung und unter der Bedingung des Erkranktseins ausgehandelt werden können. Manchmal stehen dabei Ärzte als oft paternalistische Vorbildfiguren im Zentrum (wie in Frauenarzt Dr. Prätorius, BRD 1949, Karl Peter Gillmann, Curt Goetz), manchmal geht es um die Durchsetzung von medizinischen Programmen (wie in Die Hebamme – Auf Leben und Tod, BRD/Österreich 2010, Dagmar Hirtz), manchmal um falsche Ärzte, Konflikte zwischen Ärzten und Krankenschwestern – immer aber um Liebesgeschichten zwischen Ärzten und Patientinnen. Tod ist im Spiel, es sind Krankheiten wie Krebs, Schwindsucht, AIDS, in deren Angesicht sich Patienten wie Mediziner mit existentiellen Fragen nach Sinn konfrontiert sehen (und manchmal auch mit Schuld-Syndromen konfrontiert werden). Des öfteren geht es zwar um die Entwicklung von Medikamenten und Therapien gegen unheilbar scheinende Krankheiten (wie in The Story of Louis Pasteur, USA 1936, William Dieterle) – doch auch diese Plots sind durchsetzt mit der eigentlich dominierenden melodramatischen Bindung des Arztes an seine Patienten (und wenn sie sich so fatal entwickeln wie in Awakenings, USA 1990, Penny Marshall). (HJW)

Literatur: Jacobs, Jason: Body trauma TV. The new hospital dramas. London/New York: The British Film Institute / BFI Publishing 2001. – Krajewski, Sabine: Life Goes On. And Sometimes It Doesn't. A comparative study of medical drama in the US, Great Britain and Germany. Frankfurt [...]: Lang 2003. – Sellmer, Jan / Wulff, Hans J. (2003) Herrscher über Leben und Tod: Ärzte, Heiler und Schamanen im Medizin-Drama. In: Navigationen: Siegener Beiträge zur Medien- und Kulturwissenschaft 3,1, 2003, S. 17-32.



Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HJW


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