Lexikon der Filmbegriffe

Off-Kino

Journalistische und umgangssprachliche Bezeichnung für Kinos seit den 1960ern (in Europa seit den späten 1970ern), die unabhängig oder sogar gegen die großen Mainstreamkinos und Kinokomplexe versuchten, ein „anderes“ Programm zu veranstalten. Darin waren sie den Programmkinos verwandt (mit Angeboten für spezielle Publika, Reihen zu spezifischen Themen, mit Blick auf den filmhistorischen Kanon etc.), gingen aber mit einem bewussten Zugriff auf die Trash-Genres des Films (etwa den Exploitation-Film, den Midnight-Movie-Programmen) und spezifische Kinematographien (wie etwa den Rock‘n‘Roll-Film und Filme anderer Musikrichtungen, den Schwulenfilm, das türkische Kino und dergleichen mehr) darüber hinaus und sprachen Publika an, die sich oft bewusst vom Mainstreamkino und von den ästhetischen und geschmacklichen Standard-Urteilen entfernten; viele der Kinos bildeten Stammpublika heran, bildeten also auch soziale Eigenräume aus. Die Bezeichnung ist wohl ein Spiel mit mehreren Bedeutungen von off – die gegenüber den Mainstreamkinos viel kleineren Offkinos liegen zum einen außerhalb der Stadtzentren und zeigen zum anderen ein Programm, das außerhalb der Standards (off mainstream) liegt. Die Grenzen zu den Programm- und Repertoirekinos sind offen. Heute spielen Off-Kinos eine höchstens noch marginale Rolle, weil sich die Rezeption der Programme immer mehr ins Private und auf die DVD (nach Video) als Trägermedium verlagert hat.

Referenzen:

Programmkino


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HHM


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