Lexikon der Filmbegriffe

Camargue-Western

Camargue: Mittelmeerregion Frankreichs

Mit Camargue-Western werden Filme vorzugsweise des Regisseurs Jean Durand bezeichnet, die zwischen 1910 und 1912 im Auftrag von Gaumont in der südfranzösischen Region der Camargue gedreht wurden. Hauptdarsteller dieser Filme war der Schauspieler Joë Hamman. Hamman hatte zuvor die USA bereist und Buffalo Bill und dessen Wild West Show kennengelernt. Als Buffalo Bill mit seiner Show nach Europa kam, wirkte Hamman sogar bei zahlreichen Auftritten mit. Diese Erfahrungen brachte Hamman in die Filme mit Durand ein. Zu den bekanntesten Camargue-Western, die auch noch erhalten sind, gehören Pendaison à Jefferson City (1911), Coeur Ardent (1912) und La Prairie en feu (1912). Typisch für den europäischen Western, wird auch hier eine allerdings europäische Landschaft verwendet, die den Wilden Westen der USA repräsentieren soll. In den  Cowboy-, Outlaw- und Indianergeschichten kommt bereits ein ganzes Spektrum heute bekannter Western-Stereotypen und -Narrationen zum Einsatz. Die Eisenbahngeschichte findet sich ebenso wie die Rachegeschichte. Historische Bezüge finden sich nicht. Interkulturell interessant ist das Zusammentreffen von typisch französischen Merkmalen mit Elementen des Western. So sieht der Saloon in Pendaison à Jefferson City mehr wie ein Bistro denn wie ein Western-Saloon aus. Die Camargue-Western sind ein frühes Beispiel dafür, dass der Western nicht nur ein US-amerikanisches Genre darstellt.

Literatur: Mohr, Gregory: The French Camargue-Western. In: Klein, Thomas / Ritzer, Ivo / Schulze, Peter W. (eds.): Crossing Frontiers. Intercultural Perspectives on the Western. Marburg: Schüren 2012, S. 87-95. – Verhoeff, Nanna: The West in Early Cinema. After the Beginning. Amsterdam: Amsterdam University Press 2006.

Referenzen:

Camembert-Western


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: TKL


Zurück