Lexikon der Filmbegriffe

Groteskfilm

bis in die 1940er auch als Übersetzung für das engl.: slapstick comedy

Früher verbreitete Bezeichnung für die Slapstickiaden der Stummfilmzeit. Eigentlich dem Zirkus und den Jahrmärkten entstammend, traten die beiden naiven Schaukünste der Kinetik und der Clownerie mit der Erfindung des Films zusammen und es entstand die Gattung des Groteskfilms. Kunstformen der Zeit (wie die zeitgleichen Dadaismus und Futurismus, aber auch die späteren Surrealismus und Absurdes Theater) adaptierten den Darstellungsstil, die Absurdität und die phantasievolle Handhabung des Mediums von den Akteuren. Es gab sogar zahlreiche Versuche, die Komiker selbst für Projekte zu gewinnen (Kurt Schwitters plante z.B. diverse Filme mit Harold Lloyd, Buster Keaton und Charlie Chaplin). Die Welt wird im Groteskfilm als widerständiges Gegenüber dargestellt, als verformt, als Gegenstand nicht endender körperlicher Auseinandersetzung. Feste Ordnungen scheinen aufgelöst oder werden spielerisch verkehrt. Die Destruktion des Realen wird mit dem Tonfilm auch auf die Sprache übertragen (etwa in den Filmen der Marx Brothers, W.C. Fields‘ oder Karl Valentins).

Literatur: Haakenson, Thomas Odell: Grotesque visions. Art, science, and visual culture in early‑twentieth‑century Germany. Ph.D. Thesis, University of Minnesota 2006. – Scheugl, Hans / Schmidt, Ernst, Jr.: Eine Subgeschichte des Film. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms. 1. Frankfurt: Suhrkamp 1974, S. 328-349.

Referenzen:

Groteske

Slapstick


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: KB


Zurück