Lexikon der Filmbegriffe

Victorine Studios

eigentlich frz.: Les Studios de la Victorine

Das in unmittelbarer Nähe von Nizza gelegene Gelände der Studios de la Victorine wurde von einem Grafen von Rivoli gekauft und La Victorine (nach dem Namen seiner Nichte Victoire) getauft. Der Kinobetreiber Serge Sandberg kaufte das Gelände 1919 und gründete zusammen mit Louis Nalpas die Studios. Schon 1920 konnten vier gläserne Studios (inklusive der zugehörigen Büros, Werkstätten, eines Kopierwerks etc.) in Betrieb genommen werden. 1923 mussten die Studios geschlossen werden, wurden aber noch im gleichen Jahr von Denis Ricaud (früher bei Pathé) übernommen, an Films Legrand verkauft und 1924 neu eröffnet. Von 1925-28 filmte Rex Ingram in den Studios (u.a. The Magician, 1926) und leitete mehrere Modernisierungen ein (u.a. die Umstellungen auf ein geschlossenes Kunstlichtstudio mit elektrischer Beleuchtung; der Strom kam aus einem eigenen Generator). Alle Bühnen wurden baldmöglichst auf Tonfilmproduktion umgestellt. 1932 verließ Ingram die Firma; unter dem Namen Studios Aubert Franco Films de La Victorine wurden die Studios fortgeführt (nun im Besitz von Franco Films, Aubert und Gaumont [= Gaumont Franco Films Aubert (GFFA)], die 1938 in Konkurs gingen). Das Studio geriet am 22.11.1939 unter das Management des Studio Centrazur; alle Erweiterungsarbeiten wurden mit dem Krieg gestoppt. Gegen Ende des Krieges gingen die beiden größten Tonbühnen in Flammen auf, wurden erst 1957 renoviert. Wahrscheinlich wurde das Gelände 1948/49 von der Stadt Nizza zurückgekauft, die bis heute als Besitzer des Geländes auftritt. Zwar entstanden ab 1955 einige Filme in den Studios (darunter Nana, 1955, Christian Jaque, Bonjour Tristesse, 1958, Otto Preminger, oder Les aventures de Till L'Espiègle, 1956, Gérard Philipe, Joris Ivens), doch nahmen sie offiziell erst 1958 wieder ihren Betrieb auf. 1965 wurden neue Hallen gebaut, ältere gegen den Fluglärm des nahen Flughafens schallisoliert; die Studios waren wieder voll arbeitsfähig (es entstanden internationale Produktionen wie The Comedians, 1967, Peter Glennville, oder Le Clan des Siciliens, 1969, Henri Verneuil), bis 1970 ein erneuter Brand drei Bühnen vernichtete; die Versicherungszahlungen ermöglichten den Bau einer neuen, großen Halle, die bis heute benutzt wird. 1975 gründete man – nachdem die Studios unter Verwaltung der Stadt Nizza gestanden hatten – die Victorine Studios, die 1976 auch die Verwaltung des Studiogeländes übernahmen. 1982 kündigten die lokalen Behörden den Nutzungsvertrag, die Studios mussten erneut schließen; die neue Firma La Victorine Côte d’Azur nahm die Arbeit 1983 aber wieder auf; das Studio wurde zu einer der leistungsfähigsten europäischen Produktionsstätten. 1995 musste die Betreibergesellschaft (nun: Victorine SA) Konkurs anmelden. Zwar arbeiteten die Studios weiter, doch erst 1999 kamen sie mit einem 18 Jahre währende Nutzungsvertrag in den Besitz der Euro Media Television Group / SFP; die Studios firmieren seitdem als Riviera Studios. Truffauts La nuit américaine (1973) ist der Film, der den Studios selbst eine gewichtige Rolle einräumt.

Homepage: http://www.euromedia‑france.com/studio/studios‑riviera/.


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: HHM


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