Lexikon der Filmbegriffe

Walzeroperette

Seine Vorrangstellung in den sogenannten Walzeroperetten erhielt der Walzer erst durch die Umformung des Genres von einem satirischen und somit partiell gesellschaftskritischen  – wie es Jacques Offenbach mit Werken wie Orphée aux Enfers / Orpheus in der Unterwelt, La belle Hélène / Die schöne Helena und La Grande-Duchesse du Gerolstein / Die Großherzogin von Gerolstein begründet und zum Höhepunkt geführt hatte  – hin zu den gemütvoll-sentimentalen, harmlos-komischen und somit kulinarisch-unterhaltenden Verwechslungskomödien der Wiener Operette. So zieht sich von Straußens „Schatz-Walzer“ aus dem Zigeunerbaron (1885) über Richard Heubergers fin-de-siècle-müdes „Chambre séparée“-Duett in der Operette Der Opernball (1898) bis zu Franz Lehárs „Ballsirenen“-Walzer  aus Die Lustige Witwe (1905) und dem bereits nostalgischen Walzertraum (1907) von Oscar Straus eine Kette schwungvoll rauschender und sinnlich betörender Operettenwalzer durch die Jahrzehnte, deren Qualität und  Eingängigkeit über den Erfolg des Bühnenwerks mit entschieden haben.


Die bereits in der Strauß-Operette Wiener Blut (1899) angewandte Methode, aus der musikalischen Hinterlassenschaft eines Komponisten die Musik für neue Bühnenwerke zusammenzustellen (die in vielem schon auf die kompilierenden Techniken vieler Filmmusiken vorausweist), wurde in den späten 1920ern im Niedergang der Wiener Operette wieder verstärkt aufgegriffen. Alle diese sogenannten „Wien“-Operetten perpetuierten den Mythos vom goldenen Alt-Wien mit seiner ,eigentümlich österreichischen Freude an kauziger Narrheit‘ (Oehlmann), mit seiner „schlamperten“ Gemütlichkeit und Heurigen-Seligkeit.  Die von Erich Wolfgang Korngold sowie Oscar Straus aus Werken von Strauß (Vater und Sohn) zusammengestellten Pasticcios in  Walzer aus Wien (1930) und Drei Walzer (1935), in denen die Walzer Dreh- und Angelpunkt des szenischen Geschehens bilden, bezeichnen sowohl Übergang als auch Gleichlauf zu frühen Tonfilmoperetten wie Zwei Herzen im Dreivierteltakt (1930, Géza von Bolváry; Musik: Robert Stolz), Der Kongress tanzt (1931, Erik Charell; Musik: W. R. Heymann unter Verwendung von Alt-Wiener Melodien) sowie Walzerkrieg  (1933, Ludwig Berger; Musik: Alois Melichar / Franz Grothe mit Benützung von Kompositionen Josef Lanners und Johann Strauß‘ Vater).

Referenzen:

Filmoperette

Operette: Tanzformen

Operettenfilm


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: WT


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