Lexikon der Filmbegriffe

Plakatmaler


engl.: film poster artist

Berufszweig, der eng mit der Geschichte sowie den Marketingstrategien des Kinos verknüpft ist. Rein textliche Filmplakate werden bereits anlässlich der ersten Kurzfilmvorführungen im ausgehenden 19. Jahrhundert eingesetzt. Mit zunehmender Popularität des Langfilms in den 1920ern wächst der Bedarf an neuen Werbeformen – sowohl freie Künstler wie auch Gebrauchsgrafiker entwickeln sich zu Vollzeit-Plakatmalern. Die bis heute dominierende Struktur des Filmplakats wird geprägt: Neben den credits dominiert zumeist eine übergroße, mehrfarbige künstlerische Darstellung einer Schlüsselszene oder eine Collage verschiedener Szenen die Plakatfläche. Die entbehrungsreiche Zeit nach dem 2. Weltkrieg entpuppt sich als goldene Phase für den Plakatmaler, da das Plakat das Hauptwerbemedium darstellt; es wird bewusst auf Überproportionalität und Idealisierung gesetzt, um eine Alltagsflucht in Aussicht zu stellen. Mit dem Siegeszug des Fernsehens vollzieht sich der nächste Umbruch: Die Kinopaläste werden aufgrund erheblicher Einbußen flächendeckend geschlossen oder in „Schachtelkinos“ umfunktioniert. An die Stelle der handgemalten Filmplakate treten Leuchtstoff-Anzeigetafeln. Immer weniger Plakatmaler können überleben, als Kulissenmaler wechseln sie teilweise in die Werbung, zum Theater, Fernsehen oder in Movie-Parks. Bis in die 1980er Jahre verschaffen sich nur noch wenige durch einen originären Stil einen Namen.
In seltenen Fällen geht der künstlerische Einfluss eines renommierten Plakatmalers so weit, dass Filmszenen erst auf Basis der schon früh entworfenen Plakatskizzen entstehen. Merkmal der herausragenden Plakatmaler ist es stets, dass sie in ihren Werken Stimmung und Look eines Films in einem Motiv festhalten, das fortan innerhalb des kulturellen Gedächtnisses für den beworbenen Film steht. Dabei stehen oft zeitgenössischen Kunstströmungen Pate, vom Expressionismus bis zur PopArt. Natürlich sind dem Plakatmaler auch Zwänge auferlegt worden: So verlangten große Studios bspw. einen eigenen Stil ab oder totalitäre Regime eine tendenziöse Darstellung. Trotz dieser Konditionen ist der stilistische Einfluss berühmter Plakatmaler selbst auf die Ikonografie der Populärkultur aber nicht zu unterschätzen.

Literatur:  Beilenhoff, Wolfgang / Heller, Martin (Hrsg.): Das Filmplakat. Zürich: Scalo Verlag 1995. – Kamps, Johannes: Studien zur Geschichte des deutschen Filmplakats von den Anfängen bis 1945. Diss. Mainz Universität 2004, URL: http://ArchiMeD.uni-mainz.de/pub/2004/0044/diss.pdf (Zugriff: 20.10.2012). – Müller, Jens: Film, Kunst, Grafik: ein Buch zur neuen deutschen Filmgrafik der sechziger Jahre. Frankfurt: Deutsches Filminstitut 2007. – Steffens, Horst [...] (Hrsg.): Im Auftrag Hollywoods: Filmplakate aus 40 Jahren von „Peltzer“. Mannheim: Landesmuseum für Technik und Arbeit 1995.



Einzelne Plakatmaler: Grohnert, René: Gemalter Film: Plakate von Renato Casaro. Museum Folkwang, Deutsches Plakat Museum im Museum Folkwang. Göttingen: Steidl 2012. – Heider, Hans-Peter / Urban, Eberhard (Hrsg.): Kunst fürs Kino: die Plakate des Filmpreisträgers Klaus Dill. Berlin: Henschel 2002. – Payer, Peter (Hrsg.): Filme Malen: der Wiener Plakatmaler Eduard Payzek. Salzburg: Pustet 2010.

Referenzen:

Plakatmaler: neue Entwicklungen


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: IL


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