Lexikon der Filmbegriffe

Operette: Tanzformen

Vom Entstehen bis zum Absterben der Operette dominierten Tänze die musikalische Struktur dieser fast ein Jahrhundert lang vorherrschenden Gattung des populären Musiktheaters. Dieses dramaturgische Konzept wurde sowohl während der Stummfilmzeit für die Verfilmung bekannter Operetten als auch bei der späteren Produktion von Tonfilmoperetten übernommen.Zu. Zu den Tänzen, welche die „klassische“ Operette bis 1918 maßgeblich bestimmten, gehörten Polka, Galopp (Cancan), Marsch und Walzer. Welche dieser Tanzformen in den Mittelpunkt des jeweiligen Bühnenwerkes rückte, war zunächst von den dramaturgischen Erfordernissen des Sujets abhängig. So verbindet sich mit Offenbachs parodistischem Orpheus nicht der Walzer, sondern der Galop infernal (Cancan); und auch die Hauptwerke eines Franz von Suppé, einem der Väter der Wiener Operette, wurden nicht vom Walzer, sondern wie seine „komischen Opern“ Fatinitza und Boccachio zeigen, von Märschen und italienischen Gesangsformen geprägt; und selbst das Chef d´Œuvre der ganzen Gattung: Johann Strauß‘ Fledermaus präsentiert eine Vielzahl von Tanzformen ohne nachdrückliche Bevorzugung des wiegenden und schwingenden Dreivierteltakts. In den Operetten des wilhelminischen Berlins bevorzugten Paul Lincke und Walter Kollo  –  trotz des seinerzeit beliebten Frau Luna -Walzers von 1899 – weniger Walzer als vielmehr Wachtparademärsche (Berliner Luft), robust gebaute Gassenhauer und sentimentale Romanzen, die der Mentalität eines hauptsächlich aus Militärs, Neureichen und Kleinbürgern zusammengesetzten Publikums entsprachen, ein Publikum, dessen Geschmackspräferenzen bis in die 1930er hinein dominant blieb und die musikalischen Stile der zeitgenössischen Musikfilme dominierte.

Literatur: Grun, Bernard: Kulturgeschichte der Operette.  München: Langen Müller 1961. – Knepler, Georg: Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. 2. Österreich/Deutschland.. Berlin: Henschel 1961. – Dahlhaus, Carl: Die Musik des 19. Jahrhundert. Laaber: Laaber 1980. – Oehlmann, Werner: Oper in vier Jahrhunderten. Stuttgart: Belser 1984.

Referenzen:

Filmoperette

Operettenfilm

Walzeroperette


Artikel zuletzt geändert am 11.11.2012


Verfasser: WT


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