Lexikon der Filmbegriffe

Cultural Studies

Die Cultural Studies sind eine Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst vorrangig aus dem Angloamerikanischen entwickelte intellektuelle Herangehensweise an und Reflexionsweise von Kultur im weiten und un-elitistischen Sinn (Kultur als umfassende Lebensweise, Kultur als symbolisches Beziehungsgeflecht, Kultur als unsichtbare Interpretationsfolie etc.). Dabei wurde aus Arbeiten der Literaturkritik, Kultursoziologie und Sozialhistorik (Richard Hoggart, Raymond Williams, Edward P. Thompson) heraus ein besonderes Augenmerk auf bisher vernachlässigte Kulturen des Alltags und ihre Formationen (Arbeiter- und Jugendkulturen) ebenso gelegt wie eine auch politische Aufwertung von minoritären Kulturen, also deren Demokratisierung vorgenommen. Ausgehend vom Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham (1964-2002, Direktion: Richard Hoggart, Stuart Hall, Richard Johnson) und vielfältigen außeruniversitären Institutionen z.B. der Erwachsenen- und Weiterbildung diffundierten die Cultural Studies bis heute weltweit und lassen sich in ihrer Vielfalt nur kaum vereinheitlichen. Oftmals speisen sie sich aus Marxismus, Kritischer Theorie, Feminismus, Psychoanalyse, Hegemonietheorie, (Post-)Strukturalismus, Dekonstruktionismus, Konstruktivismus. Die größte weltweite Fachgesellschaft ist die Association for Cultural Studies (ACS) (Link: http://www.cultstud.org/). Kennzeichnend bleibt den Cultural Studies bei allen Unterschieden, dass sie die Macht der gewöhnlichen Leute betonen und deren medialen und auch politischen Kampf gegen hegemoniale Setzungen und soziale Gegebenheiten oftmals erläutern und kommentieren. Neben dieser stets politischen Attitüde haben sich innerhalb der Cultural Studies Stränge herausgebildet, die Populärkultur und Medienkultur (bei Douglas Kellner sogar gleich verstanden, heute auch als Popular Cultural Studies, (Post-)Subcultural Studies, Media Cultural Studies firmierend) und die aktiven Möglichkeiten des Rezipienten untersuchen, was sie für den Bereich der Filmanalyse interessant macht. Neben einer grundsätzlichen Berücksichtigung alltagskultureller Phänomene und ihrer Beziehungen zu Individuum und Gesellschaft in Feldern wie wie Film, Fernsehen, Musik oder Sport bemühen sich die Cultural Studies innerhalb dessen insbesondere um die Analyse vermeintlich trivialer, unterhaltender, massenwirksamer Ebenen wie im Film etwa dem Blockbuster oder auch dem Horror- oder Porno-Film. Die Cultural Studies verstehen sich zumeist als ,undiszipliniert’ und multiperspektivisch und setzen sich daher aus sehr unterschiedlichen Fächern zusammen, oftmals aus Soziologie, Literatur-, Medien-, Kommunikations-, Geschichts- und Kulturwissenschaft, Pädagogik, Philosophie und Ethnologie. Die Forschenden bringen dabei ihren eigenen Standpunkt immer mit ein, um ihre Perspektive und ihr Verwobensein in die untersuchten Phänomene und Verhältnisse zu erklären.

Literatur: Hepp, Andreas: Cultural Studies und Medienanalyse. Eine Einführung. 3. Auflage.  Wiesbaden: VS Vlg. Für Sozialwissenschaften 2010. - Hepp, Andreas / Thomas, Tanja / Krotz, Friedrich (Hrsg.): Schlüsselwerke der Cultural Studies. Wiesbaden: VS Vlg. Für Sozialwissenschaften 2009. – Marchart, Oliver: Cultural Studies. UVK 2008. – Winter, Rainer: Die Kunst des Eigensinns. Cultural Studies als Kritik der Macht. Weilerswist: Velbrück 2001.

Referenzen:

Populärkultur

Popmusik


Artikel zuletzt geändert am 12.11.2012


Verfasser: CJ


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