Lexikon der Filmbegriffe

Fernsehoper

Die Fernsehoper ist ein komplexes Bühnenwerk mit dramatischer Dichtung, Musik und weiterem als Gesamtkunstwerk, das extra für die Fernsehausstrahlung erstellt oder als eine Version einer Bühnenoper erarbeitet wird. Im weiteren Sinne gehören auch Fernsehübertragungen von Bühnenopern dazu. Eine Fernsehversion bedarf aber in aller Regel einer eigens bedachten Regie, da die speziellen Möglichkeiten der filmisch-televisionären Darstellung des Bühnengeschehens beachtet werden müssen. Eine Fernsehoper kann live oder als Aufzeichnung übertragen werden. Als erste direkt für das Fernsehen entwickelte Oper wird die einaktige Oper Amahl and the Night Visitors des Komponisten Gian Carlo Menotti genannt, die am 24.12.1951 im NBC in New York uraufgeführt wurde. Angesichts der Tatsache, dass mit einer einzigen Ausstrahlung ein Vielfaches der Zuschauer einer normalen Aufführung erreicht werden konnte, experimentierten diverse Komponisten seit den 1950ern mit dem neuen Format (unter ihnen Ernst Krenek [Ausgerechnet und Verspielt, 1962)], Benjamin Britten [Owen Wingrave, 1971], Hans Werner Henze [La Cubana oder Ein Leben für die Kunst, 1972/73, rev. 1996] und Igor Strawinsky [The Flood, 1962]). In Salzburg wurde der Fernsehopernpreis etabliert, der von 1956 bis 1983 vergeben wurde. Die Ausstrahlung einer Realisierung von Puccinis Tosca an den Originalschauplätzen der Handlung (unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta) in 90 Länder durch die italienische RAI im Jahre 1992 knüpft an die Formen des Rock-TV an. Heute finden sich sogar Live-Ausstrahlungen von Bühnenaufführungen in internationale Kinos (wie z.B. der starbesetzten New Yorker Metropolitan-Aufführung der Pastiche-Barockoper The Enchanted Island in deutsche Kinosäle am 21.1.2012).

Literatur: Barnes, Jennifer: Television opera. The fall of opera commissioned for television. Woodbridge: Boydell 2003. – Schmidt‑Sistermanns, Johannes: Opernregie im Fernsehen. Medienspezifische Regiekonzepte zur Visualisierung von Oper im Fernsehen. [...] Wien: Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ) 1991. – Schmölz, Thomas: Opera di televisione ‑ musica di fondo? Zur medienspezifischen Rolle der Musik bei einer im Fernsehen übertragenen Oper. In: Das Musiktheater in den audiovisuellen Medien: "... ersichtlich gewordene Taten der Musik". [...] Hrsg. von Peter Csobádi [...]. Anif/Salzburg: Müller‑Speiser 2001, S. 118‑132.


Artikel zuletzt geändert am 12.11.2012


Verfasser: CA W


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