Lexikon der Filmbegriffe

Soundeffekt-Maschinen


engl.: sound effects machines

Seit etwa 1910 kamen eine ganze Reihe von Instrumenten und Apparaten auf, die man dazu benutzen konnte, in den Kinos Ton-Effekte zu erzeugen – von Pistolenschüssen über das Geräusch von Feuer, Wind, Wellenschlag, Donner und Maschinengeräusche (Dampfmaschinen, Lokomotiven, Autos), das Klirren von Ketten bis zu animalischen Geräuschen, Morsezeichen oder das Geräusch militärischer Aufmärsche. Zu ihnen gehören das Allefex (1909; Großbritannien, Erfinder: A.H. Moorhouse), Soundograph (1910, Herstellerfirma: Excela), Excelsior Sound Effects Cabinet, Deagan Electric Bells, das Kinosounder-System oder eine Apparatur aus der Berliner vor allem für Sound-Effekte in Zirkussen produzierenden Firma R. Effner (1920). Zudem gab es eine ganze Reihe von abgewandelten Klavieren und Orgeln:

- Biorkestra
- Cinechordon
- Cinfonium
- Clavitist‑Violina
- Filmplayer
- Fotoplayer
- Movieodion
- One‑Man Motion Picture Orchestra
- Orchestrion
- Pipe‑Organ Orchestra

Die Maschinen wurden meist von kleinen Teams von sound‑effects men betrieben, die nicht nur die Mascinen betrieben, sondern auch mit Hilfe aller möglichen anderen Objekte für die akustische Begleitung der Filme sorgten. Ihre Erfahrungen waren für die Herstellung der Toneffekte noch in der Tonfilmzeit von größter Bedeutung. In den 1940ern etwa verfügte das Ton-Effekte-Studio bei Disney über mehr als 8.000 Objekte und Musikinstrumente. Gerade das frühe Hörspiel (wie Walter Ruttmanns Weekend, Deutschland 1930), aber auch frühe Tonfilme wie Dziga Vertov´s Entuziazm: Simfoniya Donbasa (1930) griffen auf die Vielfalt künstlicher Töne zurück, die während der Stummfilmzeit zu einer heimlichen „Bibliothek der Toneffekte“ zusammengewachsen waren.
Weitere Toneffekte-Maschinen entstanden auch lange nach der Einführung des Tons im Film – man denke an das Singing Keyboard (1936) oder an elektronische Instrumente wie das Mellotron (1962‑63), an Verfahren wie das Kantaphon (1934, Erfinder: Brandt) oder das ähnlich aufgebaute Sonovox (1939), die menschliche Atem- und nonvokale Stimmgeräusche aufzeichnen konnten, oder an das Shumofon (1955), mit dem man eine Fülle natürlicher und menschlicher Töne erzeugen konnte.

Literatur: Bottomore, Stephen: An International Survey of Sound Effects in Early Cinema. In: Film History 11,4, 1999, S. 485‑498 (= Special Iss.: Global Experiments in Early Synchronous Sounds).


Referenzen:

air cabinet

Allefex

Deagan Bells


Artikel zuletzt geändert am 12.11.2012


Verfasser: JH


Zurück