Lexikon der Filmbegriffe

Populärkultur

Unter Populärkultur oder kurz Popkultur wird insbesondere seit den 1950ern derjenige kommerzialisierte, gesellschaftliche Bereich verstanden, der Themen industriell produziert, massenmedial vermittelt und durch zahlenmäßig überwiegende Bevölkerungsgruppen – egal, welcher Schicht oder Klasse zugehörig – mit Vergnügen genutzt und weiterverarbeitet wird, bis hin zur Produktion neuer Medienangebote. Die Akteure der Popkultur stehen unter ganz besonderem Innovations- und somit Zeitdruck. Das gilt sowohl auf der Produktions- und Distributions- als auch auf der Rezeptions- und Weiterverarbeitungsebene des popkulturellen Kommunikationsprozesses. Handelnde der Popkultur zeigen sich besonders einfallsreich in Sachen Aufmerksamkeitsökonomie – vom Mainstream und der von ihm benötigten Dissidenz, also dem permanenten, prozessualen Gegenüber zwischen Tradition und Innovation und ihren Verästelungen angetrieben. Sowohl die Kommodifizierung der Themen, Gegenstände und Akteure der Popkultur als auch die Strategien und Taktiken der alltäglichen Produktion und Rezeption von Kommunikationsangeboten in vor allem Musik, Kunst, Literatur, Medien (Film, TV, Computer/Internet, Games, Comic etc.) machen den Bereich der Popkultur – auch und insbesondere für Werbe- und Konsumindustrie – zu einem Seismographen für gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Der ständige Wechsel zwischen Produktion und Rezeption/Konsumption, zwischen Kunst und Kommerz und die Vermengung dieser Ebenen machen die Popkultur zu einer Plattform für durchaus ernsthafte Spiele, folgenreiche Simulationen oder zukunftsweisende Übungen. Popkulturelle Bereiche eignen sich besonders gut zum Experimentieren, zum Ausprobieren von Konsum und Kommunikation in verschiedenen gesellschaftlichen Rahmen. Populärkultur umfasst dabei bestimmte Bereiche der Jugend-, Freizeit-, Erlebnis-, Volks-, Medien-, Unterhaltungs-, Massen-, Alltags- und Konsumkultur, ist aber nicht mit ihnen oder auch mit der allgemeinen (Alltags-)Kultur der gewöhnlichen Leute gleichzusetzen und kann in einzelnen Phänomenen durchaus bis ins 19. Jahrhundert zurück verfolgt werden. Popkultur ist sowohl immer noch ein besonders komplexes Feld alternativer Lebensentwürfe für mittlerweile verschiedene Generationen als auch in sich und ihren Teilbereichen sehr umfassend und ausdifferenziert zu verstehen und kann auch heute noch durchaus subversiv fungieren, wenn auch meistens nicht mehr umfassend und gesellschaftsweit wie etwa noch in den 1960er Jahren. Phänomene der Popkultur können oberflächlich leicht i.w.S. gelesen und verstanden werden, bei genauerer Betrachtung kann sich allerdings auch ihre Komplexität zeigen, weswegen sie zunehmend für Wissenschaft und Politik aufschlussreich geworden sind.

Literatur: Hecken, Thomas Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009. Bielefeld: Transcript 2009. – Hügel, Hans-Otto (Hrsg.): Handbuch Populäre Kultur. Begriffe, Theorien und Diskussionen. Stuttgart/Weimar: Metzler 2003. – Jacke, Christoph: Medien(sub)kultur. Geschichten – Diskurse – Entwürfe. Bielefeld: Transcript 2004. – Jacke, Christoph / Ruchatz, Jens / Zierold, Martin (Hrsg.): Pop, Populäres und Theorien. Forschungsansätze und Perspektiven zu einem prekären Verhältnis in der Medienkulturgesellschaft. Münster [...]: LIT 2011.


Artikel zuletzt geändert am 12.11.2012


Verfasser: CJ


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