Lexikon der Filmbegriffe

Popmusik

Wie der bekannteste deutschsprachige Popmusikwissenschaftler Peter Wicke konstatiert, scheint eine klare Definition des Begriffs Popmusik nicht möglich, da sich die hinter diesem Begriff verbergenden Vorstellungen und Konzepte stets wandeln. So etwa lassen sich sehr unterschiedliche Auffassungen von Popular-, Populär- und Popmusik aus verschiedenen Perspektiven zu divergierenden Zeiten feststellen, wobei mal Musik aus dem Volk oder für das Volk, mal Trivialmusik, dann wieder ein Genre im Gegensatz zur härteren und lauteren Rockmusik und schließlich im Vergleich zum Etablissement eine Subkultur oder auch der vermeintlich seichte musikalische Mainstream verstanden wird – und das zudem in unterschiedlichen Gesellschaften. Wie sich an den zahlreichen, teilweise sogar widersprüchlichen Schlagworten und Kriterien schon ablesen lässt, handelt es sich bei Popmusik im Grunde um einen gesellschaftlichen Verbund und eine kulturelle Praxis, der bzw. die die Musik selbst, aber eben auch Musizierende, Industrien, Medien und Rezeptionen umfasst und der bzw. die sich ständig verändert. Oftmals wird Popmusik gegenüber Kunst- und Volksmusik abgegrenzt, was aber wiederum zu Problemen führen kann, da es auch zahlreiche Überschneidungen und bewusste Crossovers gibt.
Der popmusikalische Kommunikationsprozess erstreckt sich von der Produktion (Songwriting, Studio, Mixing, Mastering etc.) über die Distribution (Label, Vertrieb. Marketing, Promotion, Journalismus, Internet-Plattformen etc.) bis zur Rezeption/Nutzung (Fans, Konzerte, Medien, soziale Netzwerke etc.) und Weiterverarbeitung (Re- bzw. Neuproduktion von popmusikalischen Kommunikationsangeboten), womit der Prozess neu startet. Die einzelnen Stufen dieses Prozesses vermengen sich vor allem durch Computer- und Internettechnologien. Der Zugang zu diesem Prozess ist in der Regel leicht, weswegen sich die Massenmärkte seit jeher für Popmusik interessieren. Die Intensität der Auseinandersetzung mit Popmusik und vor allem unpopulärer Popmusik (Diedrich Diederichsen) bleibt dem Rezipienten und seinem Wissen überlassen. Popmusik – zunächst einerlei, in welchem Verständnis – wird oftmals im Film eingesetzt, entweder eigens dafür produziert oder bereits vorher veröffentlicht und wieder verwendet, ebenso wie Filme über Popmusik und ihre Protagonisten und Szenen produziert werden. Zudem hat sich mit dem Musik-Clip eine eigene Kurzfilmform spätestens seit den 1970er Jahren entwickelt, die mittlerweile insbesondere auf Internet-Plattformen und in sozialen Netzwerken ein Revival erfährt und längst per Filmfestivals zur Kunst- und Werbeform geworden ist.

Literatur: Bennett, Andy; Shank, Barry; Toynbee, Jason (Hrsg.): The Popular Music Studies Reader. London und New York: Routledge 2006. - Binas-Preisendörfer, Susanne: Klänge im Zeitalter ihrer medialen Verfügbarkeit. Popmusik auf globalen Märkten und in lokalen Kontexten. Bielefeld: Transcript 2010. – Jacke, Christoph: Einführung in Populäre Musik und Medien. Münster: LIT 2009. – Wicke, Peter: „Populäre Musik“ als theoretisches Konzept. In: PopScriptum, 1, 1992, S. 6-42. Online abrufbar unter: http://www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/themen/pst01/pst01_wicke.htm (Stand: 29.10.2012).


Artikel zuletzt geändert am 12.11.2012


Verfasser: CJ


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