Lexikon der Filmbegriffe

Alter im Film

engl.: aging in film, old age in the movies; manchmal: gerontological film

Das Altern von Figuren ist in allen filmischen Gattungen und Genres dargestellt worden, von albernen oder verschmitzten Komödien über stille Melodramen bis hin zu Kriminalfilmen und Thrillern. Besonders häufig sind Charakterstudien, in denen auf schrille Action und halsbrecherisches Tempo verzichtet wird zugunsten einer zwar unspektakulären, aber sorgfältigen psychologischen Ausleuchtung der Figuren – und oft genug deren innerer Abgründe. Filme, die vom Alter handeln, sind für Schauspieler – und mehr noch für Schauspielerinnen – oft eine Chance zum Comeback, nicht selten verbunden mit dem Aufstieg vom „niederen“ Fach der Komödie hin zum „seriösen“ Fach der Charakterstudie. Natürlich können auch junge Schauspieler und Schauspielerinnen ältere Figuren mimen. Dies wird durch Make-Up (wie beispielsweise bei Bette Davis in The Private Lives of Elizabeth and Essex, USA 1939, Michael Curtiz) oder in aktuelleren Produktionen durch ausgeklügelte CGI (wie bei Brad Pitt in The Curious Case of Benjamin Button, USA 2008, David Fincher) möglich. Mit dem umfangreichen Motiv des Alters können Themen wie Krankheit, Tod, Identitätsprobleme oder Gesellschaftskritik verknüpft sein, die oft per Voraus- oder Rückblenden inszeniert werden. Das Spektrum der Altersfilme ist ungemein breit, reicht von Ingmar Bergmans Smultronstället (Schweden 1957) – eine letzte Reise, die die Reflexion auf die Jugend des alten Helden umfasst – über David Lynchs The Straight Story (USA 1999) – die späte Versöhnung zweier Brüder – und Tatie Danielle (Frankreich 1990, Étienne Chatiliez) – die Spätphase einer einseitigen sexuellen Beziehung –, Robin and Marian (Großbritannien 1975, Richard Lester) – über den alten Robin Hood, der seine Jugendliebe wiederfindet – bis zu The Whales of August (Großbritannien 1987, Lindsay Anderson) – der von der Hassliebe zweier Schwestern erzählt – und Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat (BRD 1974, Bernhard Sinkel), der von einer alten Frau erzählt, die sich gegen Entmündigung und Enteignung wehrt und mit jungen Freunden in Italien zu einer selbstbestimmten Form des Altwerdens zusammenleben wird. Erinnert sei auch an das Altersheim als Handlungsort (sowohl in Spiel- wie Dokumentarfilmen wie Der Kuss der Tosca, Schweiz 1984, Daniel Schmid). 

Literatur: Hartung, Anja (Hrsg.:) Lieben und Altern. Die Konstitution von Alter(n)swirklichkeiten im Film. München: kopaed 2011. – Küpper, Thomas: Filmreif: Das Alter in Kino und Fernsehen. Berlin: Bertz + Fischer 2010. – Chivers, Sally: The silvering screen. Old age and disability in cinema. Toronto: University of Toronto Press 2011. – Cohen‑Shalev, Amir: Visions of aging. Images of the elderly in film. Brighton: Sussex Academic Press 2009. 


Artikel zuletzt geändert am 20.03.2013


Verfasser: PB MB CA


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