Lexikon der Filmbegriffe

Esperpento

dt. etwa: Schandfleck

Der Schriftsteller Ramon del Valle‑Inclán führte die Bezeichnung Esperpento-Stil in den 1920ern in die spanische Literatur und Dramatik ein. Er verstand darunter den Gebrauch von Deformationen des Realen (insbesondere erschreckende oder ekelerregende Figuren) zum Zwecke der hohnlachenden Kritik. Eines der wichtigsten Themen dieses bitter-ironischen Komödienstils, der mit den Mitteln der Groteske und des Absurdismus arbeitet, ist der Tod. Er reduziert das Leben immer wieder auf Objekte und Objektszenarien. Mit den Mitteln des Esperpento lasse sich die tragische Seite spanischer Identität darstellen, schrieb Valle-Inclán, doch gibt es auch mittelamerikanische Varianten. Im Film wird der Esperpento mit Formen der antibürgerlichen „schwarzen Komödie“ zusammengebracht, wie vor allem Luis Buñuel sie entwickelt hatte (in seinen frühen Filmen Un Chien Andalou, Frankreich 1929, L'age d'or, Frankreich 1930, und Las Hurdes, Spanien 1933). Es waren vor allem Luis Garcìa Berlangas Filme, die nach der frankistischen Zeit auf die Stilistik des Esperpento zurückgriffen, um das neue Spanien zu sezieren (etwa in La escopeta nacional, Spanien 1978). 

Literatur: Castro de Paz, José Luis / Cerdán, Josetxo: Del sainete al esperpento. Relecturas del cine español de los años 50. Madrid: Cátedra 2011. – Almeida, Diane M.: The esperpento tradition in the works of Ramón del Valle‑Inclán and Luis Buñuel. Lewiston, N.Y.: E. Mellen Press 2000. – Almeida, Diane M.: Ramón del Valle‑Inclán and the Esperpento tradition in the films of Luis Buñuel, Carlos Saura and Pedro Almodóvar. Ann Arbor, Mich: UMI 1996. Zuerst als Diss., Medford, Mass., Tufts University 1996. 


Artikel zuletzt geändert am 23.12.2012


Verfasser: AS


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