Lexikon der Filmbegriffe

colorization controversy

dt. etwa: Kolorisierungs-Debatte, -Kontroverse

Das elektronische Kolorisierungs-Verfahren, mit dem in den späten 1980ern Schwarzweißfilme für die TV-Ausstrahlung kolorisiert wurden, löste in den USA neben der Kritik am Resultat (künstlicher Eindruck, eingeschränkte Farbpalette, schlechte Ausführung etc.) eine ethische Diskussion aus, ob Schwarzweißfilm überhaupt nachträglich eingefärbt werden dürfen. Viele Kritiker und Urheber argumentierten u.a. mit der künstlerischen Vision des Regisseurs, der bei der Inszenierung beim Einsatz farbiger Sets und Kostümen auf ihre monochrome Wirkung auf der Leinwand geachtet habe. Auch gegen die Veränderung der emotionalen Stimmung, die zu einer Verfälschung des Werks führe, wurde protestiert und die Kolorisierung als Geldmache angeprangert. Von „kulturellem Vandalismus“ und „Geschichtsverdrehung“ bis hin zu „krimineller Verstümmelung“ war die Rede. Die betroffenen Rechteinhaber konterten beispielsweise mit der Behauptung,  die TV‑Zuschauer verlangten nach Farbe, das Bild sei bunt besser lesbar und die Fernsehsender zeigten endlich Filme, die sonst dort keine Chance hätten. Frank Capra, der anfangs der Farbbeimischung bei seinem It's a Wonderful Life (USA 1946) positiv gegenüber stand, wurde neben Woody Allen einer der Anführer der Gegenbewegung. Von der „ethischen Verantwortung der Rechteinhaber“ (American Film Institute) überzeugt, kämpften sie für die „künstlerische Integrität“ der Werke. Viele Argumente aus der vor allem zwischen 1985 und 1988 geführten Debatte (colorization controversy) kursieren heute im Internet, wenn es um nachträglich kolorisierte Werke („digitally remastered in colour“) auf DVDs geht.
Während in den USA die Regisseure wenig erreichten, gewannen John Hustons und Fred Zinnemanns Erben in Frankreich und Italien in den 1990er Jahren ihre Prozesse gegen kolorisierende Fernsehsender, indem sie sich auf das „droit moral“ (Urheberpersönlichkeitsrecht) beriefen.

Literatur: Acland, Charles R.: Tampering with the inventory: colorization and popular histories. In: Wide Angle 12,2, 1990, S. 12‑20. – Edgerton, Gary R.: Germans wore gray, you wore blue. In: Journal of Popular Film and Television 27,4, 2000, S. 24‑32. – Landau, Michael: The colorization of black‑and‑white motion pictures: a gray area in the law. In: Journal of Arts Management & Law 19,3, 1989, S. 61‑87. – Leibowitz, Flo: Movie colorization and the expression of mood. In: Journal of Aesthetics and Art Criticism 49,4, 1991, S. 363‑365. Dazu: Young, James O.: Still more in defense of colorization. In: Ebd., 50,3, 1992, S. 245‑248. – Levinson, Jerrold: Colourization ill‑defended. In: British Journal of Aesthetics 30,1, 1990, S. 62‑67. Dazu: Daniels, Charles B.: Note on colourization. In: Ebd., 68‑70.

Referenzen:

Kolorierung / Kolorisierung


Artikel zuletzt geändert am 04.02.2013


Verfasser: SL


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