Lexikon der Filmbegriffe

Staudamm

Eine ganze Reihe von Filmen hat den Bau von Staudämmen als narratives Zentrum dramatisiert und dabei oft mit Tiefenthemen wie der fortschreitenden Indienstnahme natürlicher Resourcen, der fortschreitenden Industrialisierung und der Nutzung der natürlichen Resourcen oder aber auch der rücksichtslosen Behandlung der Bewohner durch die Machthabenden symbolisch verbunden. Der Dammbau im Tennessee Valley war bereits in Pare Lorentz‘ Dokumentarfilm The River (USA 1937) angesprochen worden, wurde in Elia Kazans Wild River (USA 1960) zum Zentrum eines Melodrams, in dem es um Fortschritt, Rassismus und Respekt vor der Tradition ging. Als technische Meisterleistung feiert La meilleure Part (Frankreich/Italien 1955, Yves Allégret) einen Staudammbau, der unter größtem Zeitdruck vonstattengehen muss. Mehrfach sind Staudammbauten im deutschen Heimatfilm der 1950er thematisiert worden – als Einbrüche der industriellen Moderne in die Abgeschiedenheit der Bergdörfer, aber auch als Orte der Bewährung, an denen die traditionellen Fertigkeiten und Tugenden der Einwohnenden gefordert sind (Waldrausch, Österreich 1962, Paul May; Remake: 1977; Staudammarbeiten als Fluchtort: Flucht in die Dolomiten, BRD/Italien 1955, Luis Trenker). Brechende Staudämme sind für die tiefer liegenden Dörfer lebensbedrohliche Katastrophen (so schon in: Der Fischer vom Heiligensee, BRD 1955, Hans H. König; die Bombardierung der deutschen Staudämme im Zweiten Weltkrieg behandelt The Dam Busters, Großbritannien 1955, Michael Anderson); in katastrophenfilmähnlichen Geschichten geht es meist um die Reparatur in letzter Minute (wie in Flood: A River's Rampage, USA 1997, Bruce Pittman). Einen eigenen Motivkreis bilden Filme, die die Überflutung als Metapher des Versinkens von „Heimat“ thematisieren (man denke an Dokumentarfilme wie Die chinesischen Schuhe, Deutschland/China 2004, Tamara Wyss, über eine Fahrt auf dem Yangtse nach der Einweihung des Dammes, aber auch an Northfork, USA 2003, Michael Polish, über die Gegenwehr eines amerikanischen Dorfes gegen die Überflutung sowie vor allem an Proschtschanije / Abschied von Matjora, UdSSR 1983, Elem Klimow, Larissa Schepitko, über die Zwangsumsiedlung eines ganzen Dorfes). Schließlich sei auch Deliverance (USA 1971, John Boorman) erwähnt, der von vier Männern erzählt, die noch einmal auf einer Kahnfahrt die Wildheit des Flusses auskosten wollen, der kurz danach aufgestaut werden soll.


Artikel zuletzt geändert am 11.02.2013


Verfasser: KB


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